Das Office of Neighborhood Safety (ONS) der kalifornischen Stadt Richmond ist laut einer Studie des Center for Global Healthy Cities der University of California, Berkeley, für einen Rückgang der Tötungsdelikte mit Schusswaffen und der Schussverletzungen um 61 Prozent in 14 Jahren verantwortlich. Die Untersuchung ist in JAMA Network Open erschienen und gehört nach Angaben der Universität zu den wenigen in den USA, die die anhaltende Wirkung eines kommunalen Gewaltpräventionsprogramms auf die Schusswaffengewalt einer ganzen Stadt über mehr als zehn Jahre dokumentieren (aus dem Englischen übersetzt).
Das Programm heißt Operation Peacemaker Fellowship und wurde 2010 gestartet. Es verfolgt einen Public-Health-Ansatz: Streetworker begleiten und beraten Personen, die als aktive Täter von Schusswaffengewalt gelten. Laut Erstautorin Alice Bruno, Doktorandin der Epidemiologie, nutzte das Team Daten aus Dutzenden vergleichbarer US-Städte, um zu schätzen, wie sich die Gewalt in Richmond ohne das Programm entwickelt hätte. Die Rückgänge seien mit der Laufzeit des Programms gewachsen.
Der Kontext: Bundesweit sinken die Tötungsdelikte; laut FBI um einen Rekordwert von 18,1 Prozent. Richmond liege seit über einem Jahrzehnt über dem nationalen Rückgang. Auch während der Corona-Pandemie habe die Stadt keinen so starken Anstieg verzeichnet wie viele andere Städte der Bay Area und der USA.
Interessant ist die Finanzierung: Laut Stadtmanagerin Shasa Curl sank die Zahl der Polizeikräfte in Richmond von über 300 Vollzeitäquivalenten 2014 auf 180 im Jahr 2020 und 121 aktive vereidigte Beamte 2024. Das ONS konnte in dieser Zeit durch städtische Unterstützung und Fördermittel Personal aufbauen. Heute betreut Programmleiter James Houston zufolge ein Team von 14 Streetworkern 123 Teilnehmende.
Welche Merkmale den Erfolg erklären, soll weitere Forschung klären. Die Autoren nennen: Das ONS ist eine Behörde der Stadt und unabhängig von der Polizei, es wurde kontinuierlich finanziert, Streetworker wurden über mehr als zehn Jahre gehalten (sie sind gut bezahlt und sozial abgesichert), und jeder Teilnehmende erhält individuelle Hilfe, etwa bei Essen und Wohnen, kognitive Verhaltenstherapie sowie Sucht- und Wutbewältigung.
Service: Studie „The Peacemaker Fellowship and Urban Gun Violence in Richmond, California“, JAMA Network Open, 2026, englischsprachig, doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2026.31298.
Einordnung: Die Studie ist ein statistischer Vergleich mit Kontrollstädten, kein Experiment; sie belegt einen Zusammenhang, der die Autoren überzeugt, schließt aber andere Einflüsse nicht vollständig aus. Für Gesundheitsbehörden und Kostenträger ist der Befund ein Argument, Gewaltprävention als Public-Health-Aufgabe mit stabiler Finanzierung und langfristig gebundenem Personal zu behandeln.











