Die US-Regierung hat ein neues Modell finalisiert, das den Ansatz der „Most-Favored-Nation“-Preisgestaltung auf Medicare Part B überträgt. Das Modell GLOBE (Global Benchmark for Efficient Drug Pricing) beginnt am 1. Januar 2027 und läuft bis zum 31. März 2032. Part B umfasst Arzneimittel, die im medizinischen Umfeld verabreicht werden, etwa Infusionen in Praxen und Kliniken. (Aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst.)
So funktioniert GLOBE
GLOBE nutzt Preisdaten aus wirtschaftlich vergleichbaren Ländern, um Richtwerte für Arzneimittelkosten zu setzen, und wendet den Most-Favored-Nation-Ansatz auf die Inflationsrabatte für Part-B-Präparate an. Ausgenommen sind Biosimilars, sobald ein solches Präparat auf den Markt kommt, Orphan Drugs, aus Plasma gewonnene Produkte sowie bestimmte Zell- und Gentherapien. Teilnehmen müssen Versicherte in zufällig ausgewählten Regionen, die rund 25 Prozent der Versicherten der klassischen Medicare abdecken. Die Entlastung bei der Selbstbeteiligung gilt vom 1. April 2027 bis 31. März 2032.
CMS-Chef Mehmet Oz erklärte, Patienten in Part B und Steuerzahler hätten deutlich mehr für Medikamente gezahlt als Menschen in vergleichbaren Ländern. Konkrete Einsparbeträge nennt die Behörde nicht. Parallel gibt es ein Medicaid-Modell namens GENEROUS, für das sich alle 50 Bundesstaaten, der District of Columbia und Puerto Rico beworben haben.
Was Analysen sagen
Eine in „The Lancet“ veröffentlichte Analyse von Forschenden des Brigham and Women's Hospital und Schweizer Universitäten untersuchte 195 patentierte Arzneimittel mit 87,9 Milliarden US-Dollar jährlichen Medicare-Ausgaben. Sie bezieht sich auf GLOBE und das Schwestermodell GUARD für in Apotheken bezogene Medikamente, die beide an Preise in 19 Referenzländern anknüpfen. Ohne Ausnahmen könnten sie in der Anfangsphase 5,2 Milliarden (GLOBE) und 6,4 Milliarden Dollar (GUARD) sparen, bei voller Ausweitung 21 und 25,5 Milliarden. Vertrauliche Vereinbarungen mit 26 Herstellern könnten jedoch fast 80 Prozent der erwarteten Einsparungen aufheben. Bei etwa 73 Prozent der Arzneimittel übersteigt der geschätzte Medicare-Spareffekt den gesamten Jahresumsatz im Referenzland. Das setze Anreize, Preise dort zu erhöhen oder Markteinführungen zu verzögern.
Einordnung
Für Hersteller und Anbieter, die Preise außerhalb der USA setzen, ist das Modell ein Risiko: Referenzländer könnten sich Preissteigerungen oder späteren Zugängen gegenübersehen, darunter auch Deutschland. Für Kliniken und Praxen in den USA stellt sich die Frage, wie Erstattung und Rabatte zusammenspielen. Wie hoch die tatsächliche Wirkung ausfällt, hängt von den Ausnahmen und Einzelverträgen ab, nicht von der Modellankündigung.











