Forschung

Platin‑Chemotherapie hinterlässt messbare Mutationsspuren in kindlicher Leber

Eine Science-Studie findet nach Platin-Chemotherapie in Geweben von Kindern deutlich mehr DNA-Veränderungen und eine leberspezifische Spur.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. September 2026

Platin‑Chemotherapeutika wie Cis‑ und Carboplatin hinterlassen in gesundem Gewebe von Kindern deutlich mehr Mutationen. Das berichtet eine internationale Arbeitsgruppe in der Fachzeitschrift Science. Mit fehlerminimierendem Duplex‑Sequencing (NanoSeq: beide DNA‑Stränge werden ausgelesen, damit Mutationen auf Einzelmolekül‑Ebene erkannt werden) fanden die Forschenden in der Leber eine gewebespezifische, platinassoziierte Mutationsspur.

Das Wellcome Sanger Institute nennt in seiner Mitteilung vom 10. September 2026 die Datenbasis: 186 Proben aus Blut, Lebertumoren und nicht‑tumorösem Lebergewebe von neun Kindern, die mit Platin behandelt wurden. Hinzu kommen 30 Proben von zwei Kindern mit Leberkrebs, die keine Platintherapie erhielten, sowie 47 Proben von Kindern mit anderen Krebserkrankungen und unterschiedlichen Behandlungen.

Nach der Mitteilung stellten die Forschenden in mehreren Geweben nach der Platinbehandlung deutlich mehr DNA‑Veränderungen fest. Bei einigen Kindern entsprach deren Zahl der in Gewebe von Erwachsenen. Erstautorin Anna Wenger von der Universität Göteborg spricht von DNA‑Schäden, die sich normalerweise über Jahrzehnte ansammeln und bei Erwachsenen mittleren Alters zu sehen sind. In der Leber entdeckten die Forschenden ein zuvor nicht beschriebenes Muster genetischer Veränderungen. Es könnte mit dem Abbau der Wirkstoffe in diesem Organ zusammenhängen.

Konkrete Zahlenwerte, etwa Faktoren der Mutationszunahme je Gewebe oder Mutationen pro Probe, nennen die Mitteilungen nicht. Sie stehen im Volltext der Studie und in den Zusatzdaten, die nur eingeschränkt frei zugänglich sind, und werden hier deshalb nicht wiedergegeben. Die Autoren wollen die Chemotherapie nicht infrage stellen, sondern Schutzmaßnahmen für Überlebende finden, die ein Risiko für zweite Krebserkrankungen und frühe Alterungsfolgen tragen.

Service: Wenger A., Vannier J.B., Lee‑Six H. et al., „Extensive and differential platinum chemotherapy mutagenesis in livers of children“, Science, 10.09.2026: https://doi.org/10.1126/science.ady0339 (Volltext und Supplement teilweise paywalled). Pressemitteilung: Wellcome Sanger Institute. Aus dem Englischen übersetzt.

Einordnung: Die Studie liefert Hinweise darauf, dass die Spätfolgen einer Platintherapie bei Kindern auch gesundes Gewebe betreffen. Ob sich daraus Konsequenzen für Nachsorge oder Diagnostik ergeben, geben die vorliegenden Mitteilungen nicht her. Dafür sind die vollständigen Daten und weitere Untersuchungen nötig.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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