Wenn US-Krankenhäuser und private Krankenversicherer über Verträge verhandeln, drohen sie in rund 8 Prozent der Fälle öffentlich mit dem Austritt aus dem Netzwerk. Tatsächlich kommt es nur in etwa 2 Prozent aller Beziehungen zum Bruch. Das zeigt eine Studie der Brown University in Providence, die im September 2025 in der Fachzeitschrift Health Affairs erschienen ist (aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst).
Die Forscher werteten 14.918 Beziehungen zwischen 3.772 Krankenhäusern und 92 gewerblichen Versicherern aus, die den Zeitraum von August 2021 bis Juli 2025 abdecken. Sie fanden 1.249 Fälle öffentlicher Drohungen. In 348 davon, also rund 28 Prozent, schied tatsächlich eine Seite aus dem Netzwerk aus.
Die Muster sind deutlich. Öffentlich drohten häufiger gewinnorientierte Kliniken, Häuser mit positiver Marge, solche mit mittleren oder geringeren Barreserven sowie Kliniken in Ballungsräumen. Auf der Kassenseite waren überregional tätige Versicherer häufiger in solche Machtproben verwickelt.
Besonders auffällig ist ein Muster, das die Autoren als „Goldilocks-Zone“ bezeichnen: Streit wird dort öffentlich, wo beide Seiten spürbare, aber keine erdrückende Marktmacht haben. Gemeint sind Klinikträger mit 23 bis 45 Prozent der Betten vor Ort und Versicherer mit 30 bis 44 Prozent der gewerblich Versicherten. In diesem Bereich liegt die Drohrate bei etwa 16 Prozent. Die Autoren deuten das als Punkt, an dem beide Seiten die erwarteten Vorteile des Drohens höher gewichten als die Nachteile.
Für Patienten ist das Risiko real, auch wenn der Bruch selten bleibt: Wer mitten in einer Behandlung plötzlich außerhalb des Netzwerks landet, trägt Mehrkosten oder muss den Behandler wechseln. Für Klinikmanager und Kassenverhandler liefert die Studie ein Lagebild, in welchen Marktkonstellationen Eskalation wahrscheinlicher ist.
Einordnung: Die meisten öffentlichen Drohungen enden nicht im Bruch, für Patienten bleibt die Unsicherheit dennoch belastend. Aussagen zu Deutschland lassen sich nicht ableiten, da das US-System mit konkurrierenden Privatversicherern anders funktioniert.











