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Salmonella Strathcona, Deutschland: 116 Fälle 2025/26 – WGS + Traceability nötig

Das RKI dokumentiert 116 Ausbruchsfälle 2025/26; Cherrytomaten aus Sizilien gelten als wahrscheinliches Vehikel, was genomische Überwachung und Lieferketten‑Nachverfolgung nahelegt.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. September 2026

Das Robert Koch‑Institut (RKI) beschreibt in seinem Epidemiologischen Bulletin 39/2026 vom 24. September 2026 einen Ausbruch von Salmonella Strathcona mit 116 Fällen in Deutschland, 100 bestätigten und 16 wahrscheinlichen, zwischen Juni 2025 und März 2026. Die Ausbrüche kehren jährlich wieder. Für die Ursachenklärung und rasche Kontrollmaßnahmen gelten Ganzgenomsequenzierung (WGS, Whole Genome Sequencing: Entschlüsselung des gesamten Erbguts eines Keims) und digitale Rückverfolgbarkeit der Lieferketten als zentrale Werkzeuge. Die Angaben stützen sich auf englischsprachige Berichte und sind hier übersetzt.

Von 80 Fällen mit Angaben zum Expositionsort hatten sich 48 in Deutschland und 32 im Ausland angesteckt, davon 27 in Italien. Die Erkrankten waren zwischen unter einem und 87 Jahren alt, das mittlere Alter lag bei 39 Jahren; 66 waren weiblich, 49 männlich. Von 91 Personen mit Angaben wurden 24 im Krankenhaus behandelt. Klinisch verlaufen Salmonellosen meist als Magen‑Darm‑Infektion, schwere Verläufe betreffen vor allem Ältere und Immungeschwächte.

Der Bericht ordnet den Ausbruch in eine längere Entwicklung ein: Zwischen 2011 und 2024 wurden in 17 europäischen Ländern mehr als 600 Fälle desselben Stamms erfasst. Eine gemeinsame Bewertung der EU‑Behörden ECDC und EFSA (Rapid Outbreak Assessment vom 23. Oktober 2025) zählte 437 bestätigte Fälle in 17 EU/EWR‑Ländern von Januar 2023 bis September 2025 und nennt kleine Tomaten aus Sizilien als weiterhin stark verdächtigtes Vehikel. Untersuchungen in Österreich, Italien und früher Dänemark hatten diese Produktgruppe aus dieser Region als Quelle identifiziert. Italienische Behörden wiesen Salmonella Strathcona zudem im Bewässerungswasser eines sizilianischen Tomatenerzeugers nach. Die Behörden räumen ein, dass der Erreger wegen ungleichmäßiger Verteilung und geringen Vorkommens in Proben schwer nachzuweisen ist; vollständig gesichert ist die Quelle damit nicht.

Meldepflicht, Fall‑ und Ausbruchsuntersuchungen erfolgen in Deutschland nach Infektionsschutzgesetz über die Gesundheitsämter bis zum RKI. Für die Beurteilung von Ausbruchsursachen ist die Kombination aus Befragungen, Rückverfolgungsdaten und WGS‑Analysen entscheidend. WGS erhöht die Auflösung von Clustern und erleichtert die Zuordnung zu Quellen, zugleich unterscheiden sich Kapazität, Standardisierung und Bioinformatik zwischen Ländern und Laboren. Konkrete Anbieter von Rückverfolgungslösungen und deren Leistungsdaten sind in den genutzten Quellen nicht belegt und werden deshalb nicht genannt.

Einordnung: Der Befund zeigt ein wiederkehrendes, genomisch verknüpftes Ausbruchsmuster über Landesgrenzen hinweg, dessen Quelle trotz Hinweisen nicht abschließend bewiesen ist. Kurzfristig müssen Labore und Gesundheitsämter Sequenzier‑Workflows und Schnittstellen zu Meldewegen beschleunigen; mittelfristig könnten interoperable Rückverfolgungssysteme und standardisierte WGS‑Pipelines die Zeit bis zur Identifikation von Lieferkettenquellen verkürzen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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