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Autonome KI in der Hautkrebs-Triage: Wie viel Dermatologie sie freisetzen kann

Ein britisches System beurteilt Dermatoskopiebilder und darf harmlose Befunde ohne ärztliche Kontrolle nach Hause schicken.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Oktober 2026

Eine britische Forschungsgruppe hat ein KI-System trainiert, das bei überwiesenen Patientinnen und Patienten mit krebsverdächtigen Hautläsionen anhand dermatoskopischer Fotos die Dringlichkeit der weiteren Abklärung beurteilt. Hält es eine Läsion für harmlos, darf es die Betroffenen nach einigen Sicherheitshinweisen ohne ärztliche Kontrolle entlassen. Genau diese Autonomie macht den Ansatz für die Versorgung interessant: Sie könnte Kapazitäten für Tausende Facharzttermine freisetzen.

Der Bedarf ist erheblich. In England liefen im Jahr 2023/24 mehr als 650.000 Überweisungen in den Pfad für dringend krebsverdächtige Hautveränderungen, rund 120.000 Fälle wurden nicht innerhalb der 28-Tage-Vorgabe geklärt. Vergleichbare Systeme, die bereits im Einsatz sind, werden vom nationalen Gesundheitsdienst NHS mit einem Potenzial von etwa 30 Prozent entlassbarer Fälle beschrieben.

Auch aus dem Markt gibt es Zahlen. Das Londoner Unternehmen Skin Analytics, dessen Produkt DERM als autonomes Medizinprodukt der Klasse CE III beziehungsweise UKCA IIa zugelassen ist, nennt eine sichere Entlassung von 20 bis 40 Prozent der dringenden Überweisungen und eine Nutzung an 26 NHS-Standorten. Im April 2025 sammelte die Firma 15 Millionen Pfund unter Führung von Intrepid Growth Partners ein. Ob die hier beschriebene Forschungsgruppe mit diesem Anbieter identisch ist, geht aus den verfügbaren Angaben nicht hervor; es handelt sich um getrennte Quellen, die Zahlen sind keine Ergebnisse der hier berichteten Studie.

Die Bewertung der Evidenz fällt vorsichtig aus: Die NHS-Empfehlung sieht vor, dass Anwender die Software zunächst mit ärztlicher Prüfung nutzen. Für Patientinnen und Patienten mit schwarzer oder brauner Haut soll während der Evidenzphase von drei Jahren eine zweite Beurteilung erfolgen, weil sie in den Trainingsdaten seltener vorkommen.

Einordnung

Autonome Triage verschiebt die Frage von der Genauigkeit zur Verantwortung: Wer haftet, wenn ein Melanom als harmlos eingestuft wird? Für Deutschland, wo Wartezeiten auf Hautarzttermine ein Dauerthema sind, ist der britische Weg ein Test, kein Vorbild. Investoren sollten auf die Zulassungsklasse, die Nachbeobachtung entlassener Fälle und die Leistungsdaten bei dunkler Haut achten.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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