Beim Jahreskongress der American Psychological Association (APA) vom 6. bis 8. August 2026 in Washington, D.C. haben Fachleute eine Rückkehr zu Grundlagen empfohlen: den Körper pflegen, Menschen persönlich treffen und sich um andere kümmern, besonders um Marginalisierte. Anlass ist die verbreitete Erschöpfung durch neue Technologien, globale Krisen und Einsamkeit. Die Angaben stammen aus einem Bericht des Greater Good Science Center (aus dem Englischen übersetzt).
Laut Bericht kamen in drei Tagen knapp 8.000 Personen aus 60 Ländern vor Ort zusammen. Das Programm umfasste 523 Sessions mit 1.180 Vortragenden sowie 91 Postersessions mit 2.115 Postern. Der Kongress fand im Walter E. Washington Convention Center statt und bot zusätzlich eine virtuelle Teilnahme.
Joy D. Calloway, Präsidentin des Black Women’s Health Imperative, warnte, dass Funktionieren im Alltag noch kein Gedeihen bedeute. Chronischer Stress summiere sich zu biologischem Schaden; sie bezog sich auf die Weathering-Theorie der Public-Health-Forscherin Arline Geronimus. Psychologie habe die Chance, nicht nur Anpassung an Belastung zu messen, sondern die Bedingungen für Wohlbefinden zu beeinflussen. Man habe Resilienz mit Wohlbefinden verwechselt.
Der Psychologe Ali Mattu berichtete, dass Klientinnen und Klienten vor gut einem Jahrzehnt Entlastung bei Stress und Angst suchten, heute dagegen Hilfe bei Verzweiflung, Überforderung und Sinnfragen. Thomas Curran von der London School of Economics führt die Überforderung auf Perfektionismus und Überangebot an Wahlmöglichkeiten zurück; sein Rat lautet, den Alltag mit kleinen Dosen Unbehagen zu versehen.
Zur Technologie gab es unterschiedliche Akzente. Die Studentin Nikki Iyer beschrieb ihre Generation als vernetzt, aber einsam, und sieht junge Menschen zu analogen Hobbys zurückkehren. Brendesha Tynes von der University of Southern California verwies darauf, dass KI-Modelle überproportional mit Daten weißer Männer trainiert wurden, und forderte eine langsamere Einführung sowie Kompetenzen, algorithmische Verzerrungen zu erkennen. Mattu wiederum sprach sich für KI als „Co-Intelligenz“ aus und nannte drei Kriterien für Tätigkeiten, die nicht ersetzt werden sollten: was man liebt, worin man Expertise hat und wofür man hohe Ansprüche hat.
Clare M. Mehta vom Emmanuel College rief dazu auf, soziale Orte wieder aufzusuchen: Fehlende soziale Kontakte seien für die Gesundheit noch schlechter als Alkohol.
Einordnung: Der Kongress lieferte keine Produktzahlen, aber ein Stimmungsbild: Die Fachgesellschaft misst Gemeinschaft und Gesundheitspolitik mehr Gewicht bei als individueller Selbstoptimierung. Für Anbieter digitaler Angebote gegen Einsamkeit und Überforderung ist die Kritik an algorithmischer Verzerrung und an ersetzender KI ein Hinweis auf Erwartungen von Nutzern und Fachwelt. Konkrete Vorgaben für Bias-Audits wurden laut Bericht nicht beschlossen.











