Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio von der University of Southern California vertritt in seinem neuen Buch „Natural Intelligence & the Logic of Consciousness“ die These, dass Bewusstsein nicht im Gehirn allein entsteht, sondern aus dem Zusammenspiel von Gehirn und Körper. Die Grundlage seien homöostatische Gefühle wie Hunger, Durst, Schmerz oder Wohlbefinden, die dem Organismus anzeigen, ob es ihm gut geht. Das Buch ist am 15. September 2026 bei Pantheon erschienen (Übersetzung der englischsprachigen Angaben).
Damasio, der seit fast fünf Jahrzehnten zu Gefühlen und Selbstempfinden forscht, definiert Bewusstsein als den Prozess, der uns spontan von unserer Existenz in einem Körper wissen lässt. Verbreitet sei dagegen die Annahme, es sei die höchste Leistung der Großhirnrinde. Er sieht den Ursprung weiter unten: Im oberen Hirnstamm und im nahe gelegenen Hypothalamus laufen Signale aus dem gesamten Körper zusammen. Schädigungen dieser winzigen Region führten zum Koma, also zum vollständigen Verlust des Bewusstseins.
Daraus folgt ein Gedanke, den Damasio auch auf die Debatte um künstliche Intelligenz anwendet. KI sei nicht lebendig und habe keinen Körper, der vergehen kann. Es gebe daher keinen Grund für sie, ein Bewusstsein im menschlichen Sinn zu entwickeln, dessen Aufgabe es sei, das eigene Leben zu schützen. Sollte es je gelingen, wäre es Damasio zufolge kein Bewusstsein wie das unsere. Dass der Autor den Begriff „natürliche Intelligenz“ im Titel führt, soll diese Unterscheidung markieren.
Zwei weitere Aussagen sind für Medizin und Gesundheitsberufe relevant. Schlaf versteht Damasio als möglichen Schutzmechanismus, weil Bewusstsein viel Energie verbraucht; im Traum sei man zwar bewusst, aber in anderer Form. Meditation könne Bewusstsein schärfen, indem sie den Blick auf Teile des eigenen Körperzustands lenkt.
Service: Antonio Damasio, „Natural Intelligence & the Logic of Consciousness“, Pantheon, Hardcover, 256 Seiten, erschienen am 15. September 2026, rund 30 US-Dollar, englischsprachig.
Einordnung: Das Buch ist kein Health-Tech-Produkt, sondern ein theoretischer Beitrag, den Damasio selbst nicht auf Wearables oder digitale Biomarker bezieht. Wer Sensordaten zu Herzfrequenz oder Hautleitfähigkeit mit subjektivem Wohlbefinden verknüpfen will, findet hier eine Begründung, warum Körpersignale wichtig sind, aber keinen Beleg, dass sie Erleben abbilden. Für die KI-Debatte im Gesundheitswesen liefert er ein Argument gegen vorschnelle Zuschreibungen von Bewusstsein an Software.











