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Impfen in der Apotheke: SaniPlus zählt 3.250 Impfungen im September

Ein Münchner Apothekenverbund sieht deutlich höhere Nachfrage nach Grippeimpfungen – und kritisiert die Impfkampagne der Kassenärzte.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. September 2026

Die SaniPlus-Apotheken von Birgit Lauterbach in München haben im September nach eigenen Angaben 3.250 Impfungen vorgenommen. Die Nachfrage nach Grippeimpfstoff sei deutlich höher als im Vorjahr, berichtet Moritz Lauterbach; Arndt Lauterbach, der im Verbund mithilft, sieht die Nachfrage vor allem in den größeren Center-Apotheken. Einen Teil der Kundschaft bilden Menschen, die sich zusätzlich gegen Covid impfen lassen.

Geimpft wird in den Apotheken des Verbunds seit der Pandemie. Arndt Lauterbach beschreibt einen Multiplikatoreneffekt: Wer im Vorjahr allein kam, bringe nun Familie oder Nachbarn mit. Der frühe Start im September sei bewusst gewählt. Impftage sind vor allem montags und freitags, viele Kundinnen und Kunden buchen laut Lauterbach etwa eine Woche vorher und außerhalb der Öffnungszeiten der Arztpraxen. Spontan sei der Besuch aber ebenfalls möglich. In der Flughafen-Apotheke wird erstmals geimpft; die Zahl liegt dort noch im zweistelligen Bereich.

Technisch hängt das Angebot an zwei Dingen: genügend Impfstoff mehrerer Hersteller und einer Software, die Terminbuchung und Übertragung der Impfdaten abdeckt. Persönliche Daten werden digital erfasst, wodurch die Apotheke Aufwand spart. Älteren Stammkunden helfe das Team dabei.

Der rechtliche Rahmen besteht seit 2022: Das Pflegebonusgesetz schuf die Grundlage für Grippeschutzimpfungen in Apotheken, nachdem es zuvor Modellprojekte in einzelnen Bundesländern gegeben hatte.

Politisch ist das Feld umstritten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) wirbt zum Auftakt der Impfsaison mit der Kampagne „Impfen beim Profi“ für Impfungen in der Arztpraxis: Impfen sei mehr als der eigentliche Pieks, dazu gehörten Prüfung des Impfstatus, Beratung und der Ausschluss von Kontraindikationen. Arndt Lauterbach hält dagegen: Er habe „kein Verständnis“ dafür, der KBV gehe es um die Sicherung eigener Pfründe, Apotheken wollten helfen, die Impfraten zu erhöhen. Die Apotheke nehme Ärzten keine Patienten weg, Kunden kämen wegen der niedrigschwelligen Erreichbarkeit, auch angesichts der sinkenden Zahl an Hausarztpraxen. Auch die Koalitionspolitiker Simone Borchardt (CDU) und Christos Pantazis (SPD) äußerten Kritik an der Kampagne.

Lauterbach rät zu individuellem Ausprobieren der Abläufe, auch beim Personal: Gerade junge Filialleitungen zeigten Interesse. Die Apotheken hätten in den kommenden zwei Jahren Zeit, der Politik ihre Rolle zu zeigen.

Einordnung

Das Beispiel zeigt, dass Impfen in der Apotheke vor allem eine Prozessfrage ist: Terminbuchung, Dokumentation und Lagerhaltung entscheiden über den Durchsatz, nicht die Spritze. Die Zahl 3.250 stammt vom Betreiber und lässt sich nicht mit der Versorgungslage insgesamt vergleichen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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