Die Wechseljahre rücken in Deutschland auf die politische Agenda. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) hat im Januar 2026 eine Fördermaßnahme zur Erforschung von Wechseljahresbeschwerden aufgelegt, die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung setzte ein Gremium für Handlungsempfehlungen an Politik und Arbeitgeber ein. Beide Initiativen gehen von rund neun Millionen Frauen in den Wechseljahren aus, etwa 85 Prozent von ihnen berichten von Beschwerden.
Was gefördert wird
Die BMFTR-Maßnahme zielt nach der Ausschreibung vom 23. Januar auf interdisziplinäre Forschung zu Entstehung, Ausprägung und Behandlung von Wechseljahressymptomen. Untersucht werden sollen unter anderem Mechanismen und Therapieansätze, Biomarker für die Einteilung der Wechseljahrsphasen, medikamentöse und nicht medikamentöse Behandlungen sowie die vorzeitige Ovarialinsuffizienz. Das Verfahren ist zweistufig; Projektskizzen waren bis zum 15. April 2026 einzureichen. Zur Fördersumme nennt die zugrunde liegende Mitteilung keine Angabe.
Ein neuer App-Anbieter
Parallel ist seit Juli 2026 in beiden App-Stores FemVida verfügbar, eine Anwendung des Berliner Einzelunternehmens VidaCore. Sie bündelt ein Tagebuch für Stimmung, Schlaf und körperliche Veränderungen, eine Ernährungserfassung per Foto, ein an den vier Zyklusphasen orientiertes Training und eine Wissensdatenbank. Wichtig für die Praxis ist der Export: Die erfassten Daten lassen sich strukturiert zusammenfassen und zum Arzttermin mitnehmen. Entwickelt hat die App Daniel Adam, Personaltrainer und Einzelunternehmer. Sie ist derzeit kostenfrei, die Datenverarbeitung erfolgt nach DSGVO, eine kostenpflichtige Erweiterung ist für 2027 vorgesehen. Adam betont, die App ersetze keine ärztliche Behandlung.
Die Darstellung, deutschsprachige digitale Angebote seien kaum vorhanden, gilt es einzuschränken: Mit femfeel gibt es seit 2020 eine in Deutschland gegründete Wechseljahre-App mit Symptomtracking und Kursen zu Bewegung, Ernährung und Stress; sie gehört seit 2023 zur Medice Health Family. Marktlücke ist FemVida damit eher als Bündelung von Tagebuch, Ernährung und Training als im Sinne eines unbesetzten Feldes.
Einordnung
Politische Aufmerksamkeit erhöht den Bedarf und den Wettbewerb. Für ein Ein-Personen-Unternehmen ist die Hürde nicht die Technik, sondern Nachweis und Reichweite: Ob FemVida Frauen erreicht, wird sich an Nutzerzahlen und Erstattungsfähigkeit zeigen, die bislang nicht genannt werden. Die Deutsche Menopause Gesellschaft fordert seit Jahren ein gesundheitspolitisches Konzept; Apps ersetzen es nicht.











