Forschung

Endometriose: Umgebauter Wurmwirkstoff zeigt im Mausmodell erste Wirkung

Niclosamid soll gezielt in Immunzellen gelangen – ein nicht-chirurgischer, nicht-hormoneller Ansatz, der bislang nur an Mäusen getestet wurde.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 1. Oktober 2026

Eine neue Therapie gegen Endometriose, an der nach Schätzungen rund 190 Millionen Menschen leiden, rückt in den Bereich des Möglichen – vorerst allerdings nur im Tierversuch. Ein Forschungsteam hat das Antiwurmmittel Niclosamid chemisch so angepasst, dass es gezielt Zellen erreicht, die an der Erkrankung beteiligt sind, und es an Mäusen erprobt. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift „Advanced Healthcare Materials“. (Aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst.)

Das Problem der bisherigen Therapien

Bei Endometriose wächst Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Typisch sind starke Unterleibsschmerzen, die sich während der Menstruation verschlimmern, sowie Fruchtbarkeitsprobleme. Die Diagnose gilt nur durch eine Operation als gesichert, was zur Unterversorgung beiträgt, ebenso wie die Normalisierung von Regelschmerzen und die lange Benachteiligung von Frauen in der Medizin.

Behandelt wird mit Operation, Hormontherapie oder beidem. Fast die Hälfte der Operierten erleidet innerhalb von fünf Jahren ein Rezidiv. Hormonpräparate verhindern häufig eine Schwangerschaft und können Depressionen, Hitzewallungen und Osteoporose auslösen.

Warum Niclosamid umgebaut werden musste

Bereits 2016 zeigte eine Studie unter Beteiligung der Reproduktionsbiologin Kanako Hayashi von der Washington State University, dass der entzündungshemmende Effekt von Niclosamid das Wachstum von in Mäuse verpflanztem Gebärmuttergewebe dämpfte. Der Wirkstoff löst sich jedoch schlecht in Wasser und wird deshalb kaum aufgenommen. Wer ihn einnimmt, braucht hohe Dosen, was Übelkeit, Appetitlosigkeit und Magenkrämpfe verursacht. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat ihn nur für sieben Tage am Stück zugelassen – für eine chronische Erkrankung ungeeignet.

In der neuen Arbeit wird Niclosamid nach der Titelangabe der Veröffentlichung über ein mit 2-Desoxyglukose ausgestattetes Dendrimer – ein verzweigtes Trägermolekül – an Makrophagen geliefert, die den Folatrezeptor FRβ tragen. Makrophagen sind Fresszellen des Immunsystems. Nach den Angaben im Titel lindert dieser Ansatz im Mausmodell das Fortschreiten der Endometriose und die damit verbundene Schmerzüberempfindlichkeit.

Hayashi spricht von einem möglichen „Durchbruch“, falls sich die Ergebnisse am Menschen bestätigen. Die Molekularbiologin Elise Courtois vom Jackson Laboratory nennt die Studie einen „schönen ersten Schritt“ hin zu nicht-chirurgischen und nicht-hormonellen Therapien.

Einordnung

Für Investoren und Biotech-Gründer ist das ein Frühsignal, kein Produkt: Es gibt keine Daten am Menschen, keine Angaben zu Sicherheit oder Dosierung und keine genannten Partner für die Weiterentwicklung. Interessant ist der Ansatz, weil er an einer klaren Versorgungslücke ansetzt – wirksame Dauertherapien ohne Eingriff in den Hormonhaushalt. Ob aus dem Trägerprinzip ein Arzneimittel wird, entscheiden erst toxikologische Studien und klinische Phasen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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