Health-Tech

Kopfhautkühlung bei Chemotherapie: Gute Ergebnisse im Praxisalltag

Eine Auswertung aus der Routineversorgung zeigt hohe Akzeptanz, bleibt aber eine Leistung, die Patientinnen oft selbst zahlen.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Oktober 2026

Kühlt man die Kopfhaut während der Chemotherapie, lässt sich chemotherapieinduzierte Alopezie (CIA), also Haarausfall durch Zytostatika, vermindern. Auf dem diesjährigen Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology in Wien berichtete Spyridon Kostaras vom Derma Center Wildeshausen, dass knapp 65 Prozent der Behandelten ein gutes oder sehr gutes kosmetisches Ergebnis erreichten. Die Akzeptanz der Maßnahme sei in der Routineversorgung offenbar hoch.

Der Befund ist relevant, weil Haarverlust für viele Krebspatienten, vor allem für jüngere Frauen, eine besonders belastende Nebenwirkung ist. Ein vollständiger Haarverlust ist häufig mit Stigmatisierung verbunden und kann sogar die Bereitschaft beeinflussen, eine Therapie durchzuhalten.

Das Prinzip: Eine Kühlkappe senkt die Temperatur der Kopfhaut, die Durchblutung der Haarfollikel sinkt, und weniger Wirkstoff erreicht die Haarwurzeln. Neben einfachen Kühlkappen gibt es Geräte, die die Temperatur aktiv regeln. Zahlen aus der Routineversorgung sind wichtig, weil Zulassungsstudien meist streng ausgewählte Patientengruppen abbilden.

Ein Vergleich: Ein niederländisches Register mit 7.424 Patientinnen und Patienten aus 68 Kliniken kam auf 56 Prozent, die keine Kopfbedeckung wie Perücke oder Tuch benötigten. Entscheidend für den Erfolg waren vor allem das Chemotherapie-Schema und die Dosis, kaum persönliche Merkmale. Der Erfolg hängt also stark davon ab, welche Zytostatika zum Einsatz kommen.

Für Kliniken und Praxen ist die Kostenfrage zentral. Die Kopfhautkühlung kostet nach Angaben von Patientenberatungen etwa 1.200 bis 2.000 Euro, die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sie in der Regel nicht. Die Wirksamkeit gilt zudem als noch nicht vollständig erforscht und wurde vor allem bei Frauen mit Brustkrebs untersucht.

Einordnung

Die Daten stützen die Kopfhautkühlung als supportive Maßnahme mit hoher Akzeptanz, ersetzen aber keine kontrollierten Studien für weitere Tumorarten und Schemata. Für Anbieter von Kühlsystemen liegt der Markt im Zugang: Solange die Kassen nicht erstatten, bleibt die Versorgung eine Frage der Zahlungsbereitschaft der Patientinnen. Kliniken, die das Angebot machen, sollten Erwartungen realistisch steuern, denn der Erfolg ist je nach Chemotherapie sehr unterschiedlich.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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