Die Canify AG aus Herrsching und die MG Health Limited aus Maseru in Lesotho wollen fusionieren. Eine im März 2026 unterzeichnete Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) sieht eine gemeinsame Gruppe vor. Canify-Chef Sascha Mielcarek und MG-Health-Chef Andre Bothma wollen Anbau, Verarbeitung und Vertrieb von medizinischem Cannabis bündeln. Der Vollzug braucht endgültige Verträge und behördliche Genehmigungen.
Die Unternehmen arbeiten seit dem vierten Quartal 2024 zusammen: MG Health liefert Cannabisblüten an Canify. Nach eigenen Angaben ist die Gruppe künftig in mehr als sieben Ländern aktiv, darunter Deutschland, Großbritannien, Australien und Polen. Erweiterungen in die Schweiz und weitere europäische Märkte sind geplant.
Das Konzept ist vertikal integriert. MG Health betreibt in den Maluti-Bergen Lesothos in etwa 2.000 Metern Höhe EU-GMP-zertifizierten Anbau und Extraktion; das Unternehmen nennt niedrige Energiekosten und ganzjährig natürliches Licht als Vorteile. GMP (Good Manufacturing Practice) bezeichnet den pharmazeutischen Herstellungsstandard. Canify steuert die Weiterverarbeitung sowie den Vertrieb über Apothekenpartner und die Canify Clinics bei, also ärztliche Angebote mit Telemedizin.
Zu Canify nennt das Unternehmen ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 405,9 Prozent von 2022 bis 2025. Damit belegt es Platz zwei im Ranking „Top Wachstums-Stars 2027“ von Markt und Mittelstand. Die Zahlen stammen vom Unternehmen und sind nicht unabhängig geprüft; Angaben zu Umsatz in absoluten Zahlen und zu den Konditionen der Fusion fehlen.
Risiko: Regulierung
Gerade das Telemedizin-Modell ist politisch umstritten. Das Bundeskabinett hat im Oktober 2025 einen Entwurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes beschlossen, der die Verschreibung allein per Telemedizin untersagen soll. Käme es dazu, müsste Canify einen Teil seines Vertriebswegs umbauen.
Einordnung: Die Fusion bündelt Beschaffung und Absatz und folgt dem Trend zu integrierten Plattformen in einem Markt mit schnell wachsenden, aber schwankenden Mengen. Ob die Kombination trägt, hängt von der Genehmigung und davon ab, ob sich der Vertrieb an eine strengere deutsche Regulierung anpasst.











