Forschung

Tirzepatid: Kardiovaskulärer Nutzen offenbar auch im höheren Alter

Eine präspezifizierte Altersanalyse der SURPASS-CVOT-Studie deutet darauf hin, dass das Alter den Effekt gegenüber Dulaglutid nicht wesentlich verändert.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Oktober 2026

Das Alter scheint die kardiovaskulären Effekte von Tirzepatid im Vergleich zu Dulaglutid nicht wesentlich zu beeinflussen. Darauf deutet eine präspezifizierte Analyse der Studie SURPASS-CVOT hin, die auf der 62. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) vorgestellt wurde. Der Kongress fand vom 28. September bis 2. Oktober 2026 in Mailand statt. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 2. Oktober; die übrigen Angaben stammen aus englischsprachigen Quellen und sind hier übersetzt.

Tirzepatid ist ein dualer Agonist an den Rezeptoren für GIP und GLP-1, zwei Darmhormonen, die Insulinfreisetzung und Appetit steuern. In SURPASS-CVOT wurde es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung mit dem GLP-1-Rezeptoragonisten Dulaglutid verglichen, für den eine Senkung kardiovaskulärer Ereignisse bereits belegt ist. Bei kardiovaskulärer Mortalität, Herzinfarkt und Schlaganfall (zusammengefasst als MACE, major adverse cardiovascular events) war Tirzepatid nicht unterlegen.

Die Hauptstudie in Zahlen

Die im Dezember 2025 im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie schloss 13.299 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und gesicherter atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankung ein, die im Median vier Jahre beobachtet wurden. Ein MACE-Ereignis trat bei 12,2 Prozent der Tirzepatid-Gruppe (801 Personen) und 13,1 Prozent der Dulaglutid-Gruppe (862 Personen) auf. Die Hazard Ratio, also das relative Risiko, lag bei 0,92 (95,3-%-Konfidenzintervall 0,83 bis 1,01); der p-Wert betrug 0,003 für Nichtunterlegenheit und 0,09 für Überlegenheit. Tirzepatid ist damit nicht schlechter als Dulaglutid, eine statistisch gesicherte Überlegenheit gibt es nicht. Wichtig für die Einordnung: Das Vergleichspräparat ist selbst ein Mittel mit nachgewiesenem Herzschutz, nicht Placebo.

Auf dieser Grundlage erweiterte die US-Arzneimittelbehörde FDA am 28. August 2026 die Zulassung von Mounjaro: Es darf nun zur Senkung des MACE-Risikos bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko eingesetzt werden. Laut Hersteller ist es der erste duale GIP/GLP-1-Rezeptoragonist mit dieser Indikation.

Die Altersanalyse beantwortet eine praktische Frage: Ältere Menschen sind in Studien oft unterrepräsentiert und zugleich eine große Gruppe unter Menschen mit Typ-2-Diabetes und Herzerkrankung. Dass das Alter den Effekt nicht wesentlich verschiebt, stützt den Einsatz auch bei ihnen. Zahlen zu einzelnen Altersgruppen nennt die verfügbare Meldung nicht; sie müssen der Vollpublikation entnommen werden.

Einordnung: Die Altersanalyse verbreitert die Evidenzbasis eines Nichtunterlegenheitsbefunds, was für Leitlinien und Erstattungsentscheidungen bei Älteren zählt. Für Kostenträger bleibt die Frage, ob Tirzepatid gegenüber dem etablierten Dulaglutid einen Zusatznutzen bringt, den die Studie nicht belegt.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

Unsere Kooperationspartner

Wir danken unseren Partnern für die freundliche Unterstützung

esanumHelloBetterHartmannbundHealth Captains ClubmedicasTechniker KrankenkasseAMBOSSMWV Medizinisch Wissenschaftliche VerlagsgesellschaftBKK ProVitaFelix MedicusesanumHelloBetterHartmannbundHealth Captains ClubmedicasTechniker KrankenkasseAMBOSSMWV Medizinisch Wissenschaftliche VerlagsgesellschaftBKK ProVitaFelix Medicus

Mindful Doctor Konferenz