Novartis lizenziert die experimentelle mRNA-Autoimmuntherapie ABO2203 vom chinesischen Unternehmen Abogen Biosciences und zahlt dafür 575 Millionen US-Dollar im Voraus. Hinzu kommen mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 7,2 Milliarden Dollar, sodass das Volumen insgesamt auf bis zu rund 7,8 Milliarden Dollar steigen kann. Der Deal wurde am 2. Oktober 2026 bekannt.
ABO2203 ist ein mRNA-kodierter CD19xCD3-T-Zell-Engager. Das ist ein bispezifischer Antikörper, der körpereigene T-Zellen mit B-Zellen verbindet, um diese gezielt abzubauen. Bei Autoimmunerkrankungen soll das das B-Zell-System entlasten. Die mRNA liefert dabei den Bauplan, sodass der Körper den Antikörper selbst herstellt, statt ihn als fertiges Protein zu erhalten. Abogen hat das Konstrukt in einer ersten Studie am Menschen bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom getestet und vorläufige Ergebnisse auf der Jahrestagung der AACR 2026 vorgestellt.
Novartis erhält die exklusive weltweite Lizenz für ABO2203 sowie Optionen auf weitere Programme aus Abogens RNA-Plattform. Die Meilensteine sind an Entwicklung, Zulassung und Vermarktung geknüpft; Lizenzgebühren auf künftige Verkäufe sind möglich. Zur Aufteilung der Meilensteine im Einzelnen liegen keine Angaben vor.
Der Deal reiht sich in eine Serie von Lizenzabkommen großer Pharmakonzerne mit chinesischen Unternehmen ein. Im Januar 2026 vereinbarte etwa AstraZeneca mit CSPC ein Abkommen über bis zu 18,5 Milliarden Dollar für ein Adipositas-Präparat. Inhaltlich steht ABO2203 im Wettbewerb um Autoimmunbehandlungen, die CAR-T-Zelltherapien ersetzen oder ergänzen sollen. Der Vorteil eines mRNA-Ansatzes wäre, dass er ohne aufwendige Zellherstellung auskommt; ob er in Autoimmunindikationen wirkt und sicher ist, muss sich erst zeigen, denn die Daten stammen bisher aus der Onkologie.
Einordnung
Die Vorauszahlung von 575 Millionen Dollar ist ein starkes Signal für die Plattform, nicht für das Produkt: Es gibt noch keine Autoimmundaten. Für europäische Biotechs bedeutet der Deal, dass der Wettbewerb um Lizenznehmer zunehmend aus China kommt. Für Investoren zählt, wie viel der bis zu 7,2 Milliarden Dollar an Meilensteinen tatsächlich fließt, denn solche Summen werden selten vollständig erreicht.











