Ein oraler Bakterienextrakt schützt Kinder nicht vor Asthma. Das zeigt eine randomisierte Studie, deren Ergebnisse jetzt im Fachblatt Lancet erschienen sind. Der Versuch, den Effekt früher Keimkontakte, wie ihn die Hygiene-Hypothese beschreibt, mit einem bakteriellen Lysat nachzuahmen, brachte keinen messbaren Vorteil.
Die Hygiene-Hypothese erklärt die Zunahme von Allergien und Asthma in hoch entwickelten Ländern damit, dass Kinder heute mit weniger Keimen in Kontakt kommen. Ein Lernprozess des Immunsystems über den Darm, der Toleranz gegenüber harmlosen Antigenen fördert, fehle dadurch. Ein Lysat enthält abgetötete, aufgespaltene Bakterienbestandteile und soll dieses Training in Kapselform ersetzen.
An der als ORBEX bekannten Studie nahmen 822 Kinder im Alter von 6 bis 18 Monaten teil, die wegen Familiengeschichte oder Ekzemen ein hohes Asthmarisiko hatten. Sie erhielten zwei Jahre lang an jeweils zehn Tagen im Monat entweder das Lysat OM-85 oder ein Placebo und wurden danach drei Jahre beobachtet. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur ersten schweren Episode mit pfeifender Atmung, definiert über mehrfachen Bedarf an Notfallbehandlung oder orale Kortikosteroide.
Das Ergebnis: Eine schwere Episode hatten 21 Prozent der Kinder in der OM-85-Gruppe und 18 Prozent in der Placebogruppe. Die Asthmadiagnose im Alter von sechs Jahren lag in beiden Gruppen bei 21 Prozent. Finanziert wurde die Studie vom US-amerikanischen National Heart, Lung, and Blood Institute, ergänzt durch Unterstützung des Herstellers OM Pharma, der Wirkstoff und Placebo lieferte. Studienleiter Fernando Martinez von der University of Arizona sagte, man müsse umdenken: Für diese komplexen Erkrankungen gebe es keine einfache Lösung.
Bakterienlysate werden bei Kindern bislang vor allem zur Vorbeugung wiederkehrender Atemwegsinfekte eingesetzt. Die Studie sagt nichts darüber, ob sie dort wirken; sie betrifft ausschließlich die Asthmaprävention bei Risikokindern.
Einordnung
Das negative Ergebnis ist für den Markt relevant, weil es eine plausible, aber unbewiesene Präventionsidee mit Daten bewertet. Anbieter und Ärzte sollten die Evidenz zwischen Infektprophylaxe und Asthmaprävention trennen. Für Investoren in Mikrobiom- und Immunmodulationsansätze ist die Studie ein Hinweis, dass die Hygiene-Hypothese als Epidemiologie leichter zu erzählen als als Therapie zu belegen ist.











