Wenige junge Menschen mit Opioidabhängigkeit erhalten Medikamente, und noch weniger bleiben dabei. Eine nationale Auswertung von Medicaid-Daten, die in JAMA Network Open erschienen ist, zeigt: Von den jungen Menschen, die in Behandlung gelangten, setzte nur etwa jeder 32. die Medikation mit Buprenorphin oder Methadon sechs Monate lang fort. Der Zugang hat sich seit 2016 leicht verbessert, die Haltequote ist womöglich gesunken. (Aus dem Englischen übersetzt.)
Die Forscher um Scott Hadland, Leiter der Jugend- und Jungerwachsenenmedizin am Mass General Brigham for Children, werteten Einschreibe- und Abrechnungsdaten von Menschen im Alter von 13 bis 25 Jahren aus, bei denen zwischen 2016 und 2023 eine Opioidabhängigkeit diagnostiziert wurde. Das waren knapp 230.000 junge Menschen. Etwa die Hälfte begann eine Behandlung mit einem Arztkontakt, etwa ein Drittel hatte im ersten Monat mindestens zwei Termine. Von denen, die in Behandlung kamen, erhielt rund jeder Sechste ein Medikament, und nur einer von 32 blieb sechs Monate dabei.
Der Hintergrund ist dramatisch: Seit etwa 2019 stiegen in den USA die Überdosistode auch bei jungen Menschen stark; bei unter 20-Jährigen gehören Vergiftungen einschließlich Überdosen nach dem Bericht zu den dritthäufigsten Todesursachen. Buprenorphin und Methadon gelten als sehr wirksam, vergleichsweise günstig und leicht zu verabreichen. Für Minderjährige ist der Zugang jedoch schwer: Das Bundesrecht verlangt für Methadon zwei dokumentierte gescheiterte Versuche ohne Medikament, und viele spezialisierte Kliniken nehmen keine Minderjährigen auf. Im gesamten Zeitraum erhielten weniger als zehn Minderjährige Methadon. Buprenorphin ist leichter zu verschreiben, doch nur wenige stationäre Einrichtungen für Jugendliche bieten es an.
Auch die Studienlage ist dünn: Es gibt zahlreiche Studien zu Sicherheit und Wirkung der Medikamente, aber wenige speziell bei Jugendlichen, sodass Ärzte Familien nicht sicher sagen können, wie lange eine Behandlung dauern sollte. Nach vorliegender Forschung und klinischer Erfahrung geht es Patienten mit längerer Behandlungsdauer besser. Zudem brachen schwarze und andere rassistisch benachteiligte junge Menschen die Versorgung auf den Stufen des Behandlungswegs häufiger ab als weiße.
Die Ärztin Sarah Bagley vom Boston Medical Center betont, dass die Qualität der Behandlung wenig nütze, wenn das klinische Umfeld nicht einladend, sicher und vorurteilsfrei sei. Positiv sei, dass sich mehr Kinderärzte und Hausärzte für das Thema interessieren.
Einordnung
Die Daten zeigen ein Bindungsproblem, kein reines Zugangsproblem. Für Anbieter von Telemedizin, Erinnerungs- und Begleitsoftware und für Kostenträger liegt der Markt in der Bindung nach dem ersten Termin; belastbare Evidenz für digitale Angebote speziell bei Jugendlichen steht aus. Die Zahlen stammen aus den USA und lassen sich nicht auf Deutschland übertragen, wo die Substitutionsbehandlung anders geregelt ist.











