In einer großen US-Studie war die Lebenserwartung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS), die über staatliche Gesundheitsprogramme versichert waren, gegenüber allen Versicherten dieser Programme um fast 6 Jahre und gegenüber der US-Bevölkerung um 14 Jahre verkürzt. Die Untersuchung erschien 2026 in JAMA Network Open (DOI 10.1001/jamanetworkopen.2026.33251); die Angaben stützen sich auf die Meldung des Deutschen Ärzteblatts und auf englischsprachige Mitteilungen der beteiligten Hochschule, hier übersetzt.
Ausgewertet wurden Daten des Medicaid-Programms für Einkommensschwache und des Kinderversicherungsprogramms CHIP aus allen 50 Bundesstaaten für die Jahre 2000 bis 2020, verknüpft mit dem Nationalen Sterberegister. Das Team der Columbia University Mailman School of Public Health und der University of Colorado Anschutz unter Leitung von Guohua Li erfasste 2.048.046 Menschen mit ASS und 18.268 Todesfälle.
Die Zahlen
Die Lebenserwartung der Medicaid-Versicherten mit ASS lag bei 64,9 Jahren. Das sind 5,6 Jahre weniger als bei allen Medicaid-Versicherten (70,5 Jahre) und 13,8 Jahre weniger als in der allgemeinen US-Bevölkerung (78,7 Jahre). Das Sterberisiko war um 44 Prozent höher als bei anderen Medicaid-Versicherten. Überproportional häufig waren Influenza, Mangelernährung, Pneumonitis (Lungengewebeentzündung), Ertrinken und Lungenentzündung als Todesursache. Frauen mit ASS verloren mehr Lebenszeit als Männer, laut den Autoren überwiegend im Zusammenhang mit häufigeren psychiatrischen Begleiterkrankungen. Zwischen 2000 bis 2004 und 2015 bis 2019 stieg die Lebenserwartung der Gruppe leicht um 1,7 Jahre.
Die Autoren schreiben, ein großer Teil der Übersterblichkeit sei durch bessere soziale Unterstützung und Primärversorgung vermeidbar. Autismusforschung habe sich lange auf Biologie, Genetik, Umweltfaktoren und Diagnose konzentriert und die langfristigen gesundheitlichen Folgen wenig beachtet.
Grenzen und Übertragbarkeit
Die Daten stammen aus einem Versicherungssystem für Menschen mit niedrigem Einkommen oder Behinderung; Aussagen über alle Autistinnen und Autisten oder über Deutschland lassen sich daraus nicht ableiten. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, sie zeigt Zusammenhänge, keine Ursachen.
Einordnung: Die hervorgehobenen Todesursachen sind überwiegend solche, die sich durch gute Primärversorgung und Begleitung beeinflussen lassen. Für Versorger und Health-Tech-Anbieter ist das ein Hinweis auf Bedarf an koordinierter Betreuung und früher Erkennung von Infekten für diese Gruppe; ob digitale Angebote die Sterblichkeit senken, zeigt die Studie nicht.











