Das Münchner HealthTech VisionHealth ist insolvent. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Philip Heinke bestellt, wie am 3. Juni bekannt wurde. Zu den Gründen gibt es bisher keine Angaben. VisionHealth entwickelt die App Kata, die Patienten mit Asthma oder COPD bei der Inhalationstherapie unterstützt.
Kata ist als Medizinprodukt der Klasse IIa zertifiziert. Die App nutzt die Smartphone-Kamera und künstliche Intelligenz, um die Inhalation zu begleiten, und gibt in Echtzeit Rückmeldung in Text und Bild; zusätzlich erfasst sie Symptome und die tägliche Anwendung. Hintergrund ist ein bekanntes Problem: Nach Unternehmensangaben zeigen Studien Fehlerraten bei der Anwendung von Inhalatoren zwischen 32 und 100 Prozent. Wer falsch inhaliert, bekommt weniger Wirkstoff in die Lunge. Weltweit leiden nach Angaben des Unternehmens rund 250 Millionen Menschen an chronischen Lungenerkrankungen.
Gegründet wurde VisionHealth 2017 von Sabine Häußermann, die als Geschäftsführerin firmiert. Im Juli 2022 vereinbarte das Startup mit Boehringer Ingelheim eine Kooperation, um Kata in Deutschland zu vermarkten. Die App ist nach eigenen Angaben für rund 75 Prozent der am Markt befindlichen Inhalationsgeräte geeignet.
Insgesamt flossen in den vergangenen Jahren rund 10 Millionen Euro in das Unternehmen. Im März 2023 führte DB Speciality Invest, die Beteiligungsgesellschaft des Life-Science-Unternehmers Dietrich Bruchmann, eine Pre-Series-A-Runde über 3 Millionen Euro an; Bruchmann zog in den Beirat ein. Zuletzt hielt DB Speciality Invest 50,1 Prozent der Anteile. Eine randomisierte Studie mit rund 120 Patientinnen und Patienten war zu diesem Zeitpunkt geplant; ob sie durchgeführt wurde, geht aus den Quellen nicht hervor.
Einordnung
Der Fall zeigt ein Muster im deutschen Health-Tech-Markt: Selbst ein zertifiziertes Produkt, ein klarer klinischer Bedarf und ein Pharmapartner garantieren keinen Fortbestand. Warum VisionHealth scheiterte, ist offen; ob Kata als Marke oder Technologie einen Käufer findet, ebenso. Für Gründer in der digitalen Therapiebegleitung bleibt die Frage zentral, wer das Produkt dauerhaft bezahlt: Kassen, Pharmaunternehmen oder Patienten.











