Das Startup neoscript.ai bietet Psychotherapeutinnen, Psychotherapeuten und ärztlichem Fachpersonal im deutschsprachigen Raum eine KI-Plattform für die Dokumentation an. Aus Audioaufnahmen, Word-Dateien oder handschriftlichen Notizen einer Sitzung entstehen binnen weniger Minuten Berichte nach Psych-Vereinbarung, also nach den Regeln für die Berichte an Gutachter. Das Abo „Pro“ kostet 69 Euro im Monat; es gibt eine 14-tägige Testphase.
Das Unternehmen zielt auf ein bekanntes Ärgernis. Nach Angaben von neoscript.ai verbringen Psychotherapeuten bis zu 40 Prozent ihrer Arbeitszeit mit administrativer Dokumentation, Zeit, die der Versorgung fehlt. Diese Zahl stammt vom Anbieter. Gegründet wurde das Unternehmen von dem systemischen Psychologen Galip Özdemir, der das Problem aus eigener Berufserfahrung kennt, und dem Softwareentwickler Fabian Voss.
Der Ablauf: Die Therapeutin lädt das Material hoch, die Software transkribiert es und erstellt strukturierte Berichte, etwa Gutachter-, Umwandlungs- und Fortführungsberichte. Prüfen und freigeben muss sie diese selbst; die Verantwortung für den Inhalt bleibt damit bei der Fachkraft.
Bei Gesprächsinhalten aus der Psychotherapie ist der Datenschutz die eigentliche Verkaufsfrage. neoscript.ai setzt auf eine Architektur ohne Speicherung (Null-Speicher) und ausschließlich auf eigene Infrastruktur in Deutschland. Nach eigenen Angaben fließen keine Daten an Dritte, eine Anbindung an Microsoft, Amazon oder Google gibt es nicht. Für Praxen, die keine Cloud nutzen wollen, gibt es einen lokalen Betrieb: als Mini-PC namens neobox für Einzelpraxen oder als Serverlizenz für bis zu 100 Nutzerinnen und Nutzer. Auf der Unternehmensseite werden zudem eine lokale Variante als Mac-App und ein datenschutzkonformer KI-Chat genannt, der im Abo enthalten ist.
Einordnung
Dokumentationssoftware für Therapie ist ein wachsender, aber zunehmend besetzter Markt; neoscript.ai unterscheidet sich vor allem durch den Fokus auf deutsche Berichtsformate und die lokale Betriebsoption. Das trifft die Bedenken vieler Praxen gegenüber Cloud-Diensten, ersetzt aber keine Prüfung durch den Datenschutzbeauftragten. Ob die Berichte Gutachter in der Praxis überzeugen, ohne dass die Nachbearbeitung den Zeitgewinn auffrisst, werden die ersten Anwender zeigen.











