Digital Health

Gesundheitsinformationen im Netz: 87 Prozent suchen, viele zweifeln

Eine repräsentative Befragung zeigt hohe Nutzung von Suchmaschinen und Chatbots und geringes Vertrauen in Social Media; die Bertelsmann Stiftung startet InfoCure.

By Christian KloewerPosted 16. Oktober 2025

Neun von zehn Menschen in Deutschland wollen sichere Gesundheitsinformationen im Netz: 93 Prozent halten eine Qualitätssicherung für wichtig, wie eine repräsentative Befragung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt. Gleichzeitig nutzen 87 Prozent das Internet, um sich zu gesundheitlichen Themen zu informieren. Mit der Initiative InfoCure, die die Stiftung gemeinsam mit dem österreichischen Institut Gesundheit Österreich (GÖG) und der Schweizer Careum Stiftung am 10. Oktober 2025 vorgestellt hat, soll das Vertrauen in digitale Gesundheitsinformationen gestärkt werden.

Die Nutzung unterscheidet sich je nach Gruppe. Frauen suchen mit 91 Prozent häufiger als Männer mit 83 Prozent, Menschen mit hoher Bildung (95 Prozent) häufiger als solche mit niedriger (77 Prozent). Am beliebtesten sind Suchmaschinen: 87 Prozent derjenigen, die sie kennen, nutzen sie häufig oder gelegentlich für Gesundheitsfragen. Es folgen Gesundheitsportale mit 54 Prozent, KI-Chatbots mit 40 Prozent, Messengerdienste mit 36 Prozent und Social-Media-Plattformen mit 29 Prozent. Nach Einschätzung der Stiftung hat die Nutzung dieser Kanäle zuletzt stark zugenommen.

Das Vertrauen hält nicht Schritt. Bei Social Media fühlten sich 59 Prozent derer, die dort suchten, häufig oder gelegentlich falsch informiert, bei Suchmaschinen 47 Prozent, bei KI-Chatbots 41 Prozent. Gesundheitsportale schneiden mit 26 Prozent am besten ab. Einen Grund liefert die Gesundheitskompetenz: Laut dem Health Literacy Survey der Universität Bielefeld (HLS-GER 3) schätzen 71 Prozent der Bevölkerung ihre digitale Gesundheitskompetenz als gering ein, es fällt ihnen also schwer zu beurteilen, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist.

InfoCure will ein internationales Zertifizierungssystem entwickeln, das Anbieter von Gesundheitsinformationen anhand wissenschaftlich begründeter Indikatoren bewertet. Ziel sind sichere digitale Räume mit verlässlichen Inhalten. Ein Zeitplan für die Umsetzung ist bislang nicht genannt.

Einordnung

Die Daten zeigen eine Lücke, in die Anbieter von Gesundheitsportalen, Arztbewertungen und medizinischen Chatbots stoßen: Nutzer verlangen Qualität, nutzen aber überwiegend allgemeine Kanäle. Ein Gütesiegel könnte für seriöse Anbieter ein Wettbewerbsvorteil werden, wenn es sich durchsetzt und unabhängig vergeben wird. Offen ist, ob ein freiwilliges Zertifikat Menschen erreicht, die ohnehin Suchmaschine und Social Media bevorzugen.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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