Digital Health

KI im Gesundheitswesen: Nur jede dritte Organisation kann schnell skalieren

Eine Befragung von 253 Führungskräften zeigt: Der Einsatz von KI ist verbreitet, die Skalierung scheitert an Integration, Kompetenzen und Abstimmung.

By Christian KloewerPosted 18. Mai 2026

Künstliche Intelligenz ist im Gesundheitswesen und in den Life Sciences angekommen, aber selten in der Breite. Das ergibt die Studie „The State of AI in the Healthcare and Life Sciences Industry 2025-2026“ des Technologiedienstleisters HTEC: Zwar berichten 52,2 Prozent der Befragten, KI sei in mehrere Funktionsbereiche eingebettet, doch nur rund ein Drittel hält die eigene Organisation für fähig, KI schnell zu skalieren. Befragt wurden 253 Führungskräfte der obersten Ebene in Deutschland, den USA, Großbritannien, Spanien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Die Zahlen beschreiben weniger ein Technologie- als ein Organisationsproblem. Als größte Hürden nennt die Studie die Integration von Systemen und die Abstimmung auf Führungsebene, dazu fragmentierte klinische und betriebliche IT, strenge regulatorische Vorgaben und verteilte Ökosysteme aus Anbietern, Patienten, Kostenträgern und Aufsichtsbehörden.

Auffällig ist die Lücke zwischen Anspruch und Alltag. Weltweit bestätigen 85,8 Prozent eine starke strategische Ausrichtung, trotzdem sehen 42,3 Prozent fehlende Abstimmung als Bremse. In Deutschland lauten die Werte 77,3 und 43,4 Prozent. Hinzu kommen Kompetenzlücken: 93,7 Prozent der Organisationen berichten von technischen Defiziten, die die Skalierung beeinträchtigen. Die Folgen beziffern die Befragten so: 51,5 Prozent nennen höhere Kosten, 41,4 Prozent weniger Innovation, 36,7 Prozent eine längere Markteinführungszeit.

Als strategisches Feld gewinnt Edge AI an Gewicht. Gemeint ist ein hybrider Ansatz, der Echtzeitdaten aus Geräten und Versorgungsorten mit zentralen klinischen, Forschungs- und Analysesystemen verbindet. Das Konzept ist fast allen Befragten vertraut; 97,9 Prozent sind zuversichtlich, es einsetzen zu können, unter den deutschen Befragten sind es 95,3 Prozent. Beim Aufbau setzen die Organisationen auf eine Mischung: Partnerschaften (61,7 Prozent), Eigenentwicklung (53,6 Prozent) und Plattformen Dritter (53,2 Prozent). Wer bei KI abwartet, rechnet im Schnitt mit einem Wettbewerbsnachteil von 1,65 Jahren.

Einordnung

Die Studie stammt von einem Anbieter von Technologiedienstleistungen und beruht auf Selbstauskünften von 253 Führungskräften; sie belegt Einschätzungen, keine gemessene Wirkung im Versorgungsalltag. Für Health-Tech-Gründer ist sie dennoch ein brauchbarer Hinweis, wo Nachfrage entsteht: bei Integration in bestehende IT, Compliance und Weiterbildung statt bei einzelnen Modellen. Wer Kliniken KI verkaufen will, muss zeigen, dass sie sich in fragmentierte Systeme einfügt und regulatorisch tragfähig ist.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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