Politik & Markt

USA: Mehr als 281.000 legale Einwanderer verlieren ab Oktober Medicaid

Die Kürzungen aus dem Haushaltsgesetz von 2025 greifen früher und breiter als erwartet – laut Meldungen aus neun Bundesstaaten und Washington, D.C.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. September 2026

In den USA verlieren ab dem 1. Oktober Hunderttausende Einwanderer mit legalem Aufenthaltsstatus ihre Medicaid-Absicherung, das staatlich-bundesstaatliche Gesundheitsprogramm für Menschen mit geringem Einkommen oder Behinderung. Daten von neun Bundesstaaten und dem District of Columbia nennen mehr als 281.000 Betroffene; die Auswirkungen des „One Big Beautiful Bill Act“ von 2025 könnten damit größer ausfallen als bislang angenommen. (Aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst.)

Wer betroffen ist

Zu den Betroffenen zählen Flüchtlinge, Asylberechtigte, Opfer von Menschenhandel sowie Dolmetscher, die US-Soldaten in Afghanistan unterstützt haben. Ausgenommen bleiben unter anderem Inhaber einer Green Card, Minderjährige unter 19 Jahren und Einwanderer aus Kuba, Haiti und bestimmten pazifischen Inselstaaten. Für Notfallbehandlungen können Betroffene weiterhin „Emergency Medicaid“ nutzen.

Die Staatenmeldungen im Einzelnen: Florida nennt knapp 177.000 Personen, Nordcarolina rund 29.000, Arizona knapp 28.000, New Jersey 15.000 bis 25.000 und Washington 11.000. Kalifornien rechnet mit etwa 148.000 Betroffenen, finanziert aber ein Ersatzprogramm mit 365 Millionen US-Dollar, das die Deckung bis Juli 2027 sichert. New York und Pennsylvania haben ebenfalls staatlich finanzierte Programme. Endgültige Zahlen liegen erst im Herbst vor.

Der Congressional Budget Office (CBO), die überparteiliche Haushaltsbehörde des Kongresses, schätzt, dass die Neuregelung bis 2034 rund 100.000 zusätzliche Einwanderer unversichert macht. Das Gesetz soll die Medicaid-Ausgaben bis 2034 um mehr als 900 Milliarden US-Dollar senken. Ab Januar folgen weitere Einschnitte: Rund eine Million legal Eingewanderte verlieren nach CBO-Schätzung bis 2034 den Zugang zu Subventionen auf den ACA-Marktplätzen, etwa 100.000 den Zugang zu Medicare. Zusätzlich sollen Arbeitsnachweise für viele Medicaid-Versicherte gelten; sie erhöhen die Zahl der Unversicherten laut CBO um etwa 5 Millionen.

Hilfsorganisationen kritisieren die knappe Vorlaufzeit. Einige Bundesstaaten hätten die vorgeschriebenen Benachrichtigungen erst im September versandt, sodass Fehlentscheidungen kaum noch korrigiert werden könnten. Eine Flüchtlingsorganisation aus New Jersey verweist darauf, dass Green-Card-Verfahren inzwischen deutlich länger dauern als vor 2025, was die Betroffenen zusätzlich trifft.

Einordnung

Für Versorger in den USA dürften Patientengruppen ohne reguläre Medicaid-Deckung schwerer planbar werden; offen ist, wie viele Betroffene anderweitig Versicherungsschutz finden. Die Quelle nennt keine Zahlen zu Klinikerlösen oder Digital-Health-Anbietern, daher bleibt das eine Annahme. Klar ist: Die Lücke wird bislang vor allem dort aufgefangen, wo Bundesstaaten eigene Mittel einsetzen, wie Kalifornien mit 365 Millionen Dollar.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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