Im Jahr 2024 arbeiteten nach Angaben der Bundesregierung 217.724 Ärztinnen und Ärzte an deutschen Krankenhäusern, davon 71.383 in Teilzeit. Bis 2030 könnte die Zahl der Erwerbstätigen im stationären Bereich, also in Kliniken und stationären Reha-Einrichtungen, auf 229.000 steigen, bis 2035 auf 231.000. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor.
In Vollzeitäquivalenten, also umgerechnet auf volle Stellen, ergeben sich rund 190.000 im Jahr 2030 und knapp 192.000 im Jahr 2035. Der Zuwachs gegenüber heute ist damit überschaubar. Von einem „deutlichen Plus“ lässt sich bei einer Steigerung um wenige Prozent kaum sprechen, zumal der Behandlungsbedarf einer alternden Gesellschaft schneller wächst.
Die stärksten relativen Zuwächse zwischen 2023 und 2035 erwartet die Regierung mit jeweils rund sechs Prozent in der Augenheilkunde (rund 100 Erwerbstätige mehr), der Urologie (rund 200 mehr) und der Inneren Medizin (rund 1.700 mehr). Den größten absoluten Zuwachs soll es bei Ärztinnen und Ärzten ohne Facharztrichtung geben, überwiegend in Weiterbildung: von rund 99.000 auf etwa 102.000. Die stärkste Abnahme erwartet sie in der Kinder- und Jugendmedizin, von etwa 6.900 auf rund 6.800 Erwerbstätige, ein Minus von rund zwei Prozent.
Wo im Krankenhaus die größten personellen Engpässe entstehen, kann die Regierung nicht sagen; dazu lägen keine Erkenntnisse vor. Sie erwartet aber, dass mit dem höheren Behandlungsbedarf einer alternden Gesellschaft auch die Nachfrage nach ärztlichem Personal steigt. Die Zahlen stammen aus ersten Ergebnissen eines Fachkräftemonitorings, das das Bundesgesundheitsministerium im November 2024 beim Bundesinstitut für Berufsbildung, der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Auftrag gegeben hat.
Zum Vergleich: Die Bundesärztekammer zählte Ende 2025 rund 446.000 berufstätige Ärztinnen und Ärzte, ein Plus von 2,0 Prozent zum Vorjahr; im Krankenhaus wuchs die Zahl um 2,4 Prozent. Der Anteil der Teilzeitarbeit stieg zwischen 2014 und 2024 von 15 auf 28 Prozent, fast ein Viertel der Berufstätigen ist 60 oder älter.
Einordnung
Die Prognose zeigt: Mehr Köpfe bedeuten nicht mehr Arztzeit. Für Klinikmanager liegt der Hebel deshalb weniger im Recruiting als in der Entlastung der vorhandenen Ärzte, etwa durch digitale Dokumentation, Spracherkennung und schlankere Prozesse. Für Health-Tech-Anbieter ist der stagnierende Vollzeitbestand das stärkste Verkaufsargument.











