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Verordnungskaskaden: 24 häufige riskante Medikamentenfolgen bei Älteren

Eine kanadische Analyse im BMJ benennt, welche Arzneimittelnebenwirkungen bei älteren Menschen im Alltag besonders häufig mit weiteren Medikamenten behandelt werden.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Oktober 2026

Wer älter wird, verträgt viele Medikamente schlechter, und Nebenwirkungen nehmen zu. Manchmal wird eine solche Nebenwirkung als neue Erkrankung gedeutet und mit einem weiteren Arzneimittel behandelt: Es entsteht eine Verordnungskaskade. Eine Analyse von Versichertendaten aus Kanada im BMJ (2026, DOI 10.1136/bmj-2026-100499) zeigt, welche potenziell inadäquaten Verordnungskaskaden (PIPC) im klinischen Alltag häufig vorkommen. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 2. Oktober; die weiteren Angaben stammen aus englischsprachigen Mitteilungen und sind hier übersetzt.

Ein Team um Paula Rochon, Forschungsdirektorin am Centre for Mature Women's Health des Sinai Health in Toronto, stellte mit zwölf internationalen Fachleuten aus Innerer Medizin, Geriatrie und klinischer Pharmakologie eine Liste von 65 potenziell inadäquaten Kaskaden zusammen. Anschließend prüfte es diese mit Verordnungsdaten von Menschen ab 66 Jahren aus Ontario, bereitgestellt vom Gesundheitsdateninstitut ICES. 24 Kaskaden wurden als besonders häufig und potenziell schädlich priorisiert. Gefördert wurde die Arbeit von den Canadian Institutes of Health Research.

Als Beispiel nennen die Forschenden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), die gegen Schmerzen verordnet werden und den Blutdruck erhöhen können. Statt die Schmerztherapie zu überdenken, folgt ein Blutdruckmedikament. Solche Abläufe seien häufig, im Praxisalltag aber oft übersehen, so Rochon. Sie verursachten zudem unnötige Kosten für das Gesundheitssystem; Zahlen dazu nennt die Mitteilung nicht.

Was das für die Versorgung heißt

Rochon betont, dass Gespräche zwischen Verordnenden und Patientinnen und Patienten oft zu kurz kommen. Sie rät dazu, vollständige Medikationsverläufe zu prüfen, Apothekerinnen und Apotheker in Verordnungsentscheidungen einzubinden und technische Entscheidungsunterstützung zu nutzen. Für Praxis- und Kliniksoftware heißt das: Regeln sollten nicht nur Wechselwirkungen erkennen, sondern auch zeitliche Abfolgen. Wurde das zweite Mittel kurz nach dem ersten begonnen, und könnte es dessen Nebenwirkung behandeln? Das lässt sich in Verordnungsdaten und Medikationsplänen abbilden. Fallzahl und Beobachtungszeitraum der Studie nennen die Mitteilungen nicht.

Einordnung: Die Studie liefert eine priorisierte Liste, wo ein Medikationsreview bei älteren Patientinnen und Patienten am meisten bringt. Sie ist damit eine konkrete Vorlage für klinische Entscheidungsunterstützung und Deprescribing-Programme, deren Nutzen allerdings erst an Versorgungsdaten außerhalb Ontarios zu zeigen wäre.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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