Politik & Markt

Oregon will die erste Einheitskasse der USA: Was der Plan kostet und wo er hakt

Bis zum 1. Dezember soll ein Gremium einen Plan für eine beitragsfreie Krankenversicherung für alle Einwohner ab 2032 vorlegen.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 2. Oktober 2026

Oregon ist unter den US-Bundesstaaten am nächsten an einem Single-Payer-System, also einer staatlichen Einheitsversicherung, die alle Leistungen bezahlt. Ein neunköpfiges Gremium, die Universal Health Plan Governance Board, soll der Landesregierung bis zum 1. Dezember 2026 einen Vorschlag vorlegen: medizinische, zahnärztliche, Seh- und psychische Leistungen für alle Einwohner ab 2032, ohne Prämien, Selbstbehalte und Zuzahlungen. Das Parlament könnte 2027 abstimmen oder die Frage 2028 den Wählern vorlegen. Die Angaben beruhen auf Berichten von KFF Health News vom 2. Oktober 2026 und der Oregon Capital Chronicle vom 6. August 2026 und sind übersetzt.

Der Zeitplan hat sich verschoben: Die Frist war ursprünglich der 15. September; das Gremium begründete die Verlängerung mit Unsicherheit über die Finanzierung. Das Mitglied Bruce Goldberg sagte, es liege kein umfassender Plan vor, sondern eine Art Zwischenbericht. Die Kosten betragen nach diesen Angaben rund 75,2 Milliarden Dollar jährlich ab 2032, bei einer Finanzierungslücke von 30 bis 35,5 Milliarden Dollar, die neue Steuern schließen müssten.

Das Modell

Die Ausgaben von Staat, Unternehmen und Verbrauchern sollen auf heutigem Niveau bleiben; neue Unternehmens- und Personensteuern ersetzen Prämien und Zuzahlungen und speisen mit Bundes- und Landesmitteln einen gemeinsamen Fonds, aus dem alle Leistungserbringer bezahlt werden. Als Beispiel nennt das Gremium eine 30-Jährige mit 55.000 Dollar Einkommen, die heute 5.478 Dollar Prämien im Jahr zahlt und nach dem Plan 2.331 Dollar Steuern zahlen würde. Für Unternehmen mit mehr als 500.000 Dollar Lohnsumme ist eine Lohnsummensteuer vorgesehen; 31 bis 60 Prozent der Einwohner würden nichts zahlen, wohlhabendere womöglich mehr als heute. Ärzte würden zwischen Medicare- und Privatversicherungssätzen vergütet, mit Verschiebung zugunsten der Primärversorgung.

Die Gegner und die Geschichte

Der Krankenhausverband von Oregon warnt, der Plan könne ein ohnehin angespanntes System destabilisieren; Versicherer haben sich noch nicht formell geäußert, ein Single-Payer-System würde aber private Pläne ausschließen. Frühere Anläufe scheiterten: In Vermont stoppte der Gouverneur 2014 den beschlossenen Plan, Volksabstimmungen in Colorado 2016, Oregon 2002 und Kalifornien 1994 fielen deutlich durch. Ob Oregon Bundesmittel aus Medicare und Medicaid umlenken darf, ist offen; sonst käme eine stufenweise Einführung für Nicht-Medicare-Versicherte in Betracht. Auch Kalifornien, New York und Washington beschäftigen sich mit Plänen.

Einordnung: Die Finanzierungslücke von mehr als 30 Milliarden Dollar entscheidet über die Chancen des Plans. Für Krankenhäuser, Versicherer und Abrechnungsdienstleister wäre ein Einheitszahler ein tiefer Einschnitt, weil der Verwaltungsaufwand für Dutzende Kostenträger entfiele. Frühestens die Abstimmung 2027 oder 2028 zeigt, ob es dazu kommt.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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