Nachhaltigkeit ist aus der politischen Debatte nach hinten gerückt, die Probleme sind es nicht. Auf der Clean Med Konferenz in Berlin Ende September 2026 nannten Fachleute die Gemeinschaftsverpflegung als konkreten Hebel: Rund 17 Millionen Menschen essen täglich mindestens eine Mahlzeit in solchen Einrichtungen. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 2. Oktober über die Diskussion.
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Sascha van Beek nannte das Thema in der Politik derzeit „unsexy“ und riet, es stärker mit Wohlstand, Innovation, Kostensenkung, Resilienz und Sicherheit zu verknüpfen. Das Gesundheitswesen verursache sechs Prozent der Emissionen; auffällig seien etwa die Lieferketten der Arzneimittelproduktion, wozu er auf eine Studie der AOK Baden-Württemberg verwies. Dorothea Baltruks, Leiterin des Centre for Planetary Health Policy (CPHP), forderte, das Bundesgesundheitsministerium müsse inhaltlich vorangehen, gemeinsam mit der Selbstverwaltung. Die Menschen wollten mehr Klimaschutz, offen sei die Umsetzung im System.
Was in Kliniken schon geschieht
Maike Visarius von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) berichtete von einer laufenden Umfrage unter 300 Krankenhäusern, die DKG und die Deutsche Allianz Klima und Gesundheit (KLUG) durchführen. Sie soll zeigen, wie die Verpflegung für Beschäftigte und Patienten verbessert werden kann, und gute Beispiele sammeln. In Modellregionen werden regionale Lieferketten erprobt; zudem will die DKG Vorschriften benennen, die Nachhaltigkeitszielen im Weg stehen, und der Politik vortragen.
Petra Becker, Geschäftsführerin der Dr. Becker Unternehmensgruppe, die vor allem Reha-Kliniken betreibt, verzichtet auf das Tablett: Patienten nähmen so entweder weniger oder nur, was sie essen und tragen können, und die Tablettreinigung samt Wasserverbrauch entfalle. Den Fleischanteil senkte das Unternehmen, „ohne es auf Plakate zu schreiben“; einen Aufschrei gab es laut Becker nicht.
Die politische Rahmung bleibt umstritten. Van Beek sieht mit dem Klimaanpassungsgesetz, in Kraft seit Juli 2024, den Bundesrahmen als ausreichend und die Umsetzung etwa beim Hitzeschutz bei den Kommunen. Baltruks verwies auf das im Juni veröffentlichte Eckpunktepapier des CPHP, das in neun Punkten skizziert, wie das Gesundheitswesen nachhaltig und klimaneutral werden kann, darunter eine gemeinsame Governance-Struktur für alle Akteure und Digitalisierung zur Einsparung von Ressourcen. Einen abschließenden Maßnahmenplan stellt das Papier nach eigenen Angaben nicht dar. Bereits am 5. Juni 2026 hatte ein Bündnis von 37 Organisationen, darunter Bundesärztekammer und DKG, Nachhaltigkeit als verbindliches politisches Ziel gefordert, getragen von einer nationalen Strategie unter Führung des Bundesgesundheitsministeriums.
Einordnung: Verpflegung ist ein Feld, auf dem sich Klimaschutz ohne neue Gesetze erproben und messen lässt. Ob daraus ein Markt für Software zu Bestellplanung, Lebensmittelabfall und Emissionsbilanzen wird, hängt davon ab, ob die DKG-Umfrage belastbare Zahlen und Regelungsbedarf liefert.











