Das US-Finanzministerium bereitet Regeln vor, die Kapitalflüsse in chinesische Biotechnologie stärker kontrollieren könnten. Im Zentrum stehen Beteiligungen, Gemeinschaftsunternehmen und möglicherweise Lizenzgeschäfte mit Pharma- und Biotech-Unternehmen. Bis zum 22. Oktober 2026 lag jedoch kein veröffentlichter Regelentwurf vor; Umfang und Zeitplan bleiben damit offen.
Die rechtliche Grundlage ist der Comprehensive Outbound Investment National Security Act, kurz COINS Act, der im Dezember 2025 verabschiedet wurde. Er erweitert das amerikanische Kontrollsystem für Auslandsinvestitionen. Das bereits seit Januar 2025 geltende Programm erfasst derzeit bestimmte Transaktionen in China, Hongkong und Macau in den Bereichen Halbleiter, Quanteninformatik und künstliche Intelligenz. Je nach Technologie sind Investitionen meldepflichtig oder verboten.
Biotechnologie gehört bislang nicht ausdrücklich zu diesen drei Kernsektoren. Das Finanzministerium kann das Programm im Zuge der Umsetzung des COINS Act jedoch ausweiten. Dass die Behörde den Mechanismus durchsetzt, zeigte sie Anfang Oktober 2026 mit ihrem ersten Bußgeld: Ein US-Unternehmen musste 200.000 Dollar zahlen, weil eine Beteiligung an einem chinesischen Entwickler verkörperter KI nicht gemeldet worden war.
Für Biotech-Investoren entscheidend ist die Abgrenzung. Nach Medienberichten erwägt die Regierung, gewöhnliche Lizenzverträge für Arzneimittelkandidaten weitgehend zuzulassen. Strengere Vorgaben könnten sich auf Krankheitserreger, militärisch nutzbare Verfahren und andere Technologien mit sogenanntem Dual-Use-Potenzial konzentrieren, die sowohl zivil als auch militärisch eingesetzt werden können. Eine offizielle Bestätigung dieser Ausgestaltung gibt es bislang nicht.
Parallel drängen Abgeordnete auf weitergehende Regeln. Der im Juni 2026 eingebrachte Biotech Investment National Security Act würde pharmazeutische Entwicklung, Biologika-Produktion sowie klinische Forschung ausdrücklich in die Investitionskontrolle aufnehmen. Er soll neben Beteiligungen und Joint Ventures auch Lizenzgeschäfte über Technologie und geistiges Eigentum erfassen. Agrarbiotechnologie, industrielle Fermentation und akademische Grundlagenforschung wären nach dem Entwurf ausgenommen. Das Vorhaben ist noch kein geltendes Recht.
Die wirtschaftliche Tragweite ist erheblich. Der Wert grenzüberschreitender Lizenzvereinbarungen mit chinesischen Biotech-Unternehmen belief sich 2025 nach Branchendaten auf rund 115 Milliarden Dollar; dabei handelt es sich überwiegend um mögliche Gesamtwerte einschließlich späterer Meilensteinzahlungen. Für US-Pharmakonzerne sind chinesische Wirkstoffkandidaten eine wichtige Quelle für neue Entwicklungspipelines. Chinesische Anbieter erhalten im Gegenzug Vorauszahlungen, Zugang zu klinischer Entwicklung und internationale Vermarktungspartner.
Neue Kontrollen würden zunächst die Transaktionskosten erhöhen. Investoren und Pharmakonzerne müssten Zielunternehmen, Technologie, Datenzugang und mögliche militärische Nutzung genauer prüfen. Verträge dürften häufiger Vollzugsbedingungen, Kündigungsrechte und längere Genehmigungsfristen enthalten. Ein pauschales Verbot aller China-Geschäfte lässt sich aus dem bisherigen Stand dagegen nicht ableiten.
Einordnung
Für den Biotech-Markt ist nicht die Frage entscheidend, ob mehr Kontrolle kommt, sondern wie präzise sie auf Sicherheitsrisiken begrenzt wird. Eine enge Dual-Use-Regel könnte sensible Technologien abschirmen, ohne den Zugang zu neuen Arzneimitteln abzuschneiden; eine breite Lizenzkontrolle würde dagegen Bewertungen, Finanzierung und globale Entwicklungspipelines unmittelbar verändern.











