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EPRD meldet 29 Prozent mehr dokumentierte Knieeingriffe

Der Jahresbericht 2026 verzeichnet einen Höchststand und ergänzt Implantatstandzeiten erstmals um Ergebnisse aus Patientenbefragungen.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 22. Oktober 2026

Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) hat für 2025 mehr als 422.000 Hüft- und Knieimplantationen erfasst – so viele wie nie zuvor. Besonders deutlich stiegen die dokumentierten Knieversorgungen: Zwischen 2022 und 2025 legten sie um rund 29 Prozent zu. Erstmals enthält der Jahresbericht zudem Ergebnisse standardisierter Patientenbefragungen.

Bei den Erstimplantationen registrierte das EPRD 201.487 Eingriffe an der Hüfte und 180.360 am Knie. Hüfteingriffe nahmen gegenüber 2022 um elf Prozent zu, gingen zwischen 2024 und 2025 jedoch leicht zurück. Die Kniezahlen entwickelten sich dagegen weiter aufwärts.

Die Werte beschreiben zunächst das Meldeaufkommen im freiwilligen Register und nicht automatisch den gesamten deutschen Markt. Zwar sank die Zahl der datenliefernden Krankenhäuser, dennoch stieg die Zahl der dokumentierten Operationen. Auch die seit Anfang 2025 verpflichtende Teilnahme der Kliniken am staatlichen Implantateregister Deutschland verringerte die Meldungen an das EPRD nach dessen Angaben nicht.

Die neue Patientenbefragung erweitert die bisher stark auf Implantatstandzeiten und Folgeoperationen ausgerichtete Qualitätsmessung. Erhoben werden der Oxford Hip Score beziehungsweise Oxford Knee Score: Zwölf Fragen bilden Schmerzen und Funktionsfähigkeit vor dem Eingriff sowie nach sechs, zwölf und 24 Monaten ab. Im ersten Jahr beteiligten sich 24 Kliniken. Nahezu 70 Prozent der antwortenden Menschen mit neuer Hüftprothese und fast 50 Prozent mit neuer Knieprothese bewerteten ihre Versorgung mit „Sehr zufrieden“.

Bei den Revisionen – also Folgeeingriffen an bereits versorgten Gelenken – erfasste das Register 18.691 Fälle am Knie und 20.279 an der Hüfte. Infektionen waren bei 16 Prozent der Knie- und 20 Prozent der Hüftrevisionen der Grund. Bei infektionsbedingten Knieeingriffen konnten 2025 rund 57 Prozent implantaterhaltend vorgenommen werden; 2015 waren es 35 Prozent.

Für Kliniken entsteht damit eine breitere Datenbasis: Standzeit, Revisionsgrund und patientenberichtete Ergebnisse lassen sich gemeinsam betrachten. Das kann Qualitätsvergleiche und die Früherkennung auffälliger Versorgungsverläufe verbessern. Für Hersteller und Kostenträger werden Registerdaten zugleich relevanter, wenn Produktleistung nicht nur über Haltbarkeit, sondern auch über Funktion und Lebensqualität bewertet wird.

Technisch bleibt die parallele Datenwelt aus freiwilligem EPRD und verpflichtendem staatlichem Register eine Integrationsaufgabe. Entscheidend wird sein, Doppelaufwand zu begrenzen und Daten für Versorgung, Forschung und Produktbeobachtung kompatibel nutzbar zu machen.

Einordnung: Der Zuwachs bei Knieeingriffen ist ein starkes Registersignal, aber noch kein Beleg für ein gleich großes Wachstum des Gesamtmarktes. Der strategisch wichtigere Schritt ist die Ergänzung um Patientenperspektiven – zunächst mit einer kleinen Basis von 24 Kliniken, künftig potenziell als zusätzlicher Qualitätsstandard.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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