Health-Tech

Sartorius wächst mit KI-gestützter Wirkstoffforschung

Der Laborausrüster profitiert von mehr Forschungsaktivität und bestätigt seine Jahresziele.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 22. Oktober 2026

Sartorius hat in den ersten neun Monaten 2026 Umsatz und Profitabilität gesteigert. Der Göttinger Life-Science-Konzern sieht einen Wachstumstreiber in KI-gestützten Arbeitsabläufen seiner Pharmakunden, die mehr Wirkstoffkandidaten in kürzerer Zeit untersuchen können. Besonders sichtbar wird dieser Effekt im Geschäft mit Laborinstrumenten und Bioanalytik.

Der Konzernumsatz erreichte nach Unternehmensangaben 2,737 Milliarden Euro, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Bereinigt um Wechselkurse und die Weitergabe erstatteter US-Zölle an Kunden lag das operative Wachstum bei 8,1 Prozent. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg um 6,9 Prozent auf 827,8 Millionen Euro; die Marge verbesserte sich von 29,7 auf 30,2 Prozent.

Die größere Bioprocess-Sparte, die Technologien und Verbrauchsmaterialien für die Herstellung biologischer Arzneimittel liefert, setzte 2,213 Milliarden Euro um. Ihr operatives Wachstum lag wechselkursbereinigt bei 8,1 Prozent. Wiederkehrende Erlöse mit Verbrauchsmaterialien blieben der wichtigste Treiber, während sich auch die Nachfrage nach Anlagen und Instrumenten erholte.

Für die KI-These ist jedoch vor allem die Sparte Lab Products & Services relevant. Ihr Umsatz erhöhte sich auf 524 Millionen Euro; ohne den Zolleffekt betrug das wechselkursbereinigte Wachstum 8,3 Prozent. Sartorius verweist auf eine starke Bioanalytik, eine Belebung der Biotech-Finanzierung und eine hohe Forschungsaktivität. Ein Teil der Projekte wurde allerdings aus späteren Quartalen vorgezogen, was die Dynamik im dritten Quartal verstärkte.

KI wirkt dabei auf zwei Ebenen. Kunden nutzen rechnergestützte Modelle, um Moleküle zu entwerfen, Kandidaten auszuwählen und Versuche gezielter zu planen. Mehr Kandidaten erzeugen zusätzlichen Bedarf an Messsystemen, Zellanalysen und Reagenzien. Zugleich integriert Sartorius KI in eigene Produkte: Ein neues Softwaremodul für die Incucyte-Plattform soll die Qualität von Stammzellkulturen automatisch und ohne Markierungsstoffe überwachen. Der wirtschaftliche Beitrag der KI wird bislang nicht separat ausgewiesen.

Auch die Finanzlage verbesserte sich. Der freie Cashflow stieg um 55,2 Prozent auf 310 Millionen Euro, während die Investitionsquote von 11,7 auf 9,6 Prozent sank. Die Nettoverschuldung im Verhältnis zum bereinigten EBITDA ging von 3,55 auf 3,33 zurück.

Für 2026 erwartet das Management weiterhin ein operatives, wechselkursbereinigtes Umsatzwachstum von 5 bis 9 Prozent und eine bereinigte EBITDA-Marge von etwas mehr als 30 Prozent. Für die Laborsparte wird nun das obere Ende der Spanne von 2 bis 6 Prozent angepeilt. Die Prognose bleibt wegen schwankender Branchennachfrage, Währungseffekten und der Zollpolitik mit Unsicherheit behaftet.

Einordnung

Sartorius liefert erstmals konkrete Hinweise darauf, dass KI nicht nur Softwareanbieter, sondern auch Hersteller von Labor- und Bioprozess-Technik begünstigen kann. Entscheidend ist, ob zusätzliche digitale Wirkstoffkandidaten tatsächlich in mehr Experimente, klinische Programme und später in Produktionsvolumen übergehen; ein eigener KI-Umsatz lässt sich aus den Zahlen noch nicht ableiten.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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