Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) erweitert ihr telemedizinisches Netzwerk TelePIN für die Intensivbehandlung von Kindern. Derzeit sind sieben Kinderkliniken in Niedersachsen angeschlossen; gesichert ist nun die Finanzierung für 15 weitere Häuser in Niedersachsen und drei Kliniken in Bremen. Gefördert wird das Projekt mit rund sechs Millionen Euro aus dem Strukturfonds II, je zur Hälfte von Bund und Land getragen.
Der Engpass
Hintergrund ist die angespannte Lage in der Kinderintensivmedizin. „Von den insgesamt 29 Kinderkliniken haben aktuell nur vier eine spezielle Station für pädiatrische Intensivmedizin“, sagt Michael Sasse, Oberarzt der Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin und Leiter von TelePIN. In diesen Häusern könne zudem nur die Hälfte aller Kinderintensivbetten betrieben werden, weil es landesweit an Pflegefachpersonal sowie Ärztinnen und Ärzten fehle.
So funktioniert das System
Sasse und sein Team der Kinderintensivstation 67 initiierten das Netzwerk, das Anfang 2025 in die Pilotphase ging. Über das System werden Daten, Bilder und Videos in Echtzeit zwischen den Kliniken ausgetauscht; Untersuchung oder Behandlung eines Kindes finden gemeinsam live statt. Zentrale ist das TelePIN-Cockpit in der MHH-Kinderklinik, ein Raum mit sieben Bildschirmen und einem mobilen Kameraroboter mit drei integrierten Kameras. Nach Angaben von Sasse und dem technischen Leiter Henning Rathert lässt sich damit aus der Ferne bei Untersuchungen und Eingriffen unterstützen, sowohl bei der Durchführung als auch bei der Auswertung. Die Klinik bezeichnet das System als datenschutzkonform; es eigne sich besonders für Akut- und Notfallversorgung in der pädiatrischen Intensivmedizin.
Langfristig sollen alle Kinderkliniken in Niedersachsen und Bremen, angrenzende Regionen benachbarter Bundesländer und die Rettungsdienste angebunden werden. Philipp Beerbaum, Direktor der MHH-Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin, erwartet weniger Verlegungen in andere Kinderkliniken und eine Entlastung bei Personalmangel.
Sozialminister Andreas Philippi (SPD) nannte es erfreulich, erstmals in der modernen Medizingeschichte des Landes ein derart umfassendes Telemedizinprojekt umzusetzen. Mit Blick auf die anstehende Krankenhausreform werde es die Effektivität der künftigen Klinklandschaft wesentlich erhöhen.
Einordnung
TelePIN zeigt, wie sich knappe Fachkompetenz regional bündeln lässt, statt sie an jedem Standort vorzuhalten. Für Klinikmanager ist relevant, dass die Finanzierung aus dem Strukturfonds kommt, der solche Netzwerke im Umfeld der Krankenhausreform fördert. Belastbare Zahlen zu vermiedenen Verlegungen oder zur Behandlungsqualität nennen die Beteiligten bisher nicht; sie werden über den Erfolg des Modells und seine Übertragbarkeit entscheiden.











