Digital Health

ePA ein Jahr nach der Pflicht: 159.000 Einrichtungen, Lücken bei der Technik

Drei Millionen Dokumente pro Woche landen in der Akte – die Praxen tragen die Last, bei den Versicherten fehlt noch die aktive Nutzung.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 1. Oktober 2026

Ein Jahr nach Beginn der Pflicht, die elektronische Patientenakte (ePA) zu befüllen, sind die technischen Bedingungen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums flächendeckend gegeben. Von 160.000 Einrichtungen mit Anschluss an die Telematikinfrastruktur (TI), dem geschlossenen Datennetz des Gesundheitswesens, hätten bereits mehr als 159.000 mit der digitalen Akte gearbeitet. Ob eine Einrichtung nur einmal testweise eine ePA geöffnet oder täglich befüllt hat, geht aus den Zahlen nicht hervor.

Seit dem 1. Oktober 2025 müssen Gesundheitseinrichtungen wichtige Daten wie Befunde oder Laborwerte in die ePA einstellen. Die Akte soll Patienten ein Leben lang begleiten und Doppeluntersuchungen sowie Wechselwirkungen von Medikamenten vermeiden. Gut 73 Millionen der 74,5 Millionen gesetzlich Versicherten haben von ihrer Krankenkasse eine ePA angelegt bekommen; sie können widersprechen. Bei Privatpatienten, deren Versicherer die Akte freiwillig anbieten können, wurden 386.000 angelegt.

Die Nutzung wächst nach Ministeriumsangaben: Wöchentlich werden drei Millionen Dokumente hochgeladen, und mehr als 35 Millionen digital gespeicherte Medikationslisten werden geöffnet. Laut Digitalagentur Gematik nehmen 82.000 der 98.500 Arztpraxen am ePA-System teil, das sind rund 83 Prozent (eigene Rechnung). Hinzu kommen 27.500 Zahnarztpraxen, 12.500 Apotheken und 1.300 Kliniken. Das Ministerium nennt Ferienzeiten als mögliche Ursache für niedrigere Werte. Zu gesetzlich vorgesehenen Sanktionen für Einrichtungen, die nicht teilnehmen, liegen ihm keine Zahlen vor.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) betont die Rolle der Praxen. „Ohne die Praxen gäbe es keine ePA“, sagte Vorstandsmitglied Sibylle Steiner. Seit dem Start seien fast 160 Millionen Dokumente hochgeladen worden, 91 Prozent davon von Praxen. Gebremst würden sie aber durch Störungen und teils mangelnde technische Stabilität.

Die andere Seite des Systems bleibt schwach. Nach Gematik-Angaben haben 5,4 Millionen Versicherte eine digitale Gesundheits-Identität, die aktiven Zugriff auf die eigene ePA erlaubt, etwa zum Ansehen von Daten oder zum Sperren sensibler Inhalte. Das sind rund 7 Prozent der gesetzlich Versicherten (eigene Rechnung). Steiner sagt, die ePA sei im Bewusstsein der Patienten zu wenig angekommen; viele scheiterten bereits am Anmeldeprozess.

Einordnung: Die ePA ist als Infrastruktur etabliert, als Instrument für Patientinnen und Patienten noch nicht. Der nächste Schritt hängt davon ab, ob Anmeldung und Stabilität verbessert werden und ob Ministerium und Gematik belastbare Nutzungsdaten liefern, die mehr zeigen als bloße Anschlusszahlen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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