Forschung

Epilepsie: Häufiger Cannabiskonsum geht mit schwererem Verlauf einher

Eine kleine Studie aus St. Louis und Wisconsin findet bei täglichen Konsumenten doppelt so viele Krampfanfälle – einen ursächlichen Beweis liefert sie nicht.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 1. Oktober 2026

Cannabis, das viele Menschen mit Epilepsie zur Anfallskontrolle nutzen, könnte bei regelmäßigem Konsum das Gegenteil bewirken. Darauf deutet eine Beobachtungsstudie in der Fachzeitschrift „Epilepsia“ hin. Sie beschreibt einen Zusammenhang, keinen Beweis für Ursache und Wirkung. (Zusammenfassung, aus dem Englischen übersetzt.)

Was die Studie zeigt

Ein Team um Santiago Philibert-Rosas und Aaron Struck, beteiligt waren die Washington University in St. Louis und die University of Wisconsin, wertete Daten von 64 Erwachsenen mit therapieresistenter Epilepsie aus. Als therapieresistent gilt eine Epilepsie, wenn Anfälle trotz mindestens zwei Antiepileptika fortbestehen. Die Patienten waren zwischen 2019 und 2024 in der Epilepsie-Monitoring-Einheit der Universitätsklinik Wisconsin stationär aufgenommen. Von ihnen konsumierten 22 häufig Cannabis, definiert als an mindestens 20 Tagen im Monat; 42 nutzten es nicht.

Häufige Konsumenten hatten jährlich mehr als doppelt so viele konvulsive, also krampfende Anfälle. Bei 90 Prozent traten generalisierte tonisch-klonische Anfälle auf, bei den Nichtkonsumenten bei etwa 50 Prozent. Sie benötigten spezialisierte Versorgung im Schnitt bereits fünf Jahre nach dem ersten Anfall, die Nichtkonsumenten erst nach 18 Jahren. Trotz kürzerer Krankheitsdauer wurden sie mit mehr Antiepileptika entlassen. Bei allen 15 häufigen Konsumenten mit dokumentiertem Zeitverlauf begann der Konsum vor dem ersten Anfall.

Warum das Ergebnis begrenzt ist

Die Stichprobe ist klein und stammt aus einem einzigen Zentrum, der Konsum beruht auf Selbstauskunft. Ob Cannabis die Epilepsie verschlimmert oder ob eine schwerere Erkrankung eher zum Konsum führt, lässt sich nicht klären. Die Autoren betonen, es gebe keine eindeutigen Belege, dass Cannabis Epilepsie verschlechtert.

Der Befund steht neben anderen Daten, wonach Cannabis die Anfallszahl bei einem Teil der Betroffenen senken kann. Zugelassen sind Präparate mit dem nicht psychoaktiven Cannabidiol zur Behandlung von drei seltenen Epilepsieformen: Dravet-Syndrom, Lennox-Gastaut-Syndrom und tuberöse Sklerose. Die neue Studie betrifft dagegen regelmäßigen Konsum mit hohem Gehalt an Tetrahydrocannabinol (THC), dem psychoaktiven Bestandteil.

Einordnung

Für Ärztinnen und Ärzte ist das ein Anlass, den Cannabiskonsum in der Anamnese bei schwer behandelbarer Epilepsie konsequent zu erfassen. Für den Markt zeigt der Fall, wie schwer sich Selbstmedikation und zugelassene Therapie trennen lassen, was auch für Anbieter digitaler Anfallstagebücher relevant sein kann, die Konsumdaten miterfassen könnten. Belastbare Aussagen verlangen größere, prospektive Studien.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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