Forschung

Syphilis: Dänemark meldet seit zehn Jahren keinen Fall bei Neugeborenen

Das flächendeckende Screening in der Schwangerschaft zeigt Wirkung, während die Zahlen in anderen Ländern Europas steigen.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 1. Oktober 2026

Konsequentes Screening von Schwangeren kann eine Syphilis bei Neugeborenen verhindern. In Dänemark ist es nach einer Studie in „Eurosurveillance“ in den vergangenen zehn Jahren zu keinem einzigen Fall einer Lues connata, also angeborenen Syphilis, gekommen. In Deutschland sind Erkrankungen ebenfalls sehr selten. (Zusammenfassung, aus dem Englischen übersetzt.)

Das dänische Programm in Zahlen

Ein Team um Ulrik Lausten-Thomsen vom Rigshospitalet in Kopenhagen wertete die Jahre 2010 bis 2024 aus. Seit 2010 wird in Dänemark allen Schwangeren ein Syphilistest angeboten, kostenlos über die Hausarztpraxis, meist beim ersten Vorsorgetermin. Insgesamt wurden 963.424 Schwangere getestet, die Abdeckung liegt bei 99 Prozent. Von 1.720 zunächst positiven Befunden bestätigten sich 172, also 10 Prozent, als aktive Infektion. Im selben Zeitraum kamen fast 900.000 Kinder lebend zur Welt. Fünf Fälle angeborener Syphilis wurden registriert; in vier davon kam die Mutter spät in der Schwangerschaft ins Land oder infizierte sich spät, ein Fall betraf eine verzögerte Nachverfolgung. Seit 2016 gab es keinen Fall mehr.

Die Autoren betonen, hohe Screeningquoten und eine robuste Überwachung blieben entscheidend, auch bei niedriger Inzidenz.

Gegenläufiger Trend in Europa

Die Syphilis bei Erwachsenen hat in den meisten europäischen Ländern deutlich zugenommen. Nach Zahlen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldeten 14 Länder 2024 insgesamt 140 Fälle angeborener Syphilis, nach 78 im Jahr 2023. Die Gesamtzahl der Syphilis-Fälle lag 2024 bei 45.577 und hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt. Die Erreger, Treponema pallidum, können bei einer Infektion der Mutter über die Plazenta auch das Kind erreichen.

Einordnung

Der dänische Befund zeigt, dass der Erfolg weniger von neuer Technik als von Abdeckung und Meldewesen abhängt: ein günstiger Standardtest, ein fester Zeitpunkt in der Schwangerenvorsorge und ein lückenloses Register. Für Digital-Health-Anbieter könnten Lücken bei Terminerinnerungen, Befundübermittlung und der Nachverfolgung von Frauen, die spät in die Vorsorge kommen, ein Ansatzpunkt sein. Dass solche Werkzeuge die Fallzahlen senken, ist durch die Studie nicht belegt.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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