Der Gesundheitskonzern Fresenius mit Sitz in Bad Homburg übernimmt die Biopharma-Tochter mAbxience vollständig. Für die restlichen 45 Prozent der Anteile zahlt der Dax-Konzern bis zu 750 Millionen Euro an die bisherigen Eigner Insud und Invim. Der Vertrag wurde nach Unternehmensangaben am 30. September unterzeichnet und gleichzeitig vollzogen; behördliche Genehmigungen waren nicht erforderlich.
Die Eckdaten
Von der Kaufsumme sind 50 Millionen Euro an eine Bedingung geknüpft: Fresenius zahlt sie nur, wenn bestimmte Produktionsstätten eine Zulassung erhalten. Das Unternehmen war im August 2022 mit 55 Prozent bei mAbxience eingestiegen. Damit liegt zwischen Einstieg und vollständiger Übernahme gut drei Jahre.
mAbxience entwickelt und produziert Biosimilars. Das sind Nachahmerpräparate biotechnologisch hergestellter Arzneimittel, etwa monoklonaler Antikörper, deren Patentschutz abgelaufen ist. Sie sollen Originalpräparate zu niedrigeren Preisen ersetzen und gelten als einer der Hebel, mit denen Gesundheitssysteme die Ausgaben für teure Biologika begrenzen wollen.
Fresenius-Chef Michael Sen spricht vom „nächsten Meilenstein beim Aufbau eines führenden, vertikal integrierten Biopharma-Geschäfts von relevanter Größe“. Die Biosimilars-Plattform sei nun vollständig im Biopharma-Geschäft von Fresenius Kabi gebündelt und decke die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung bis zur Vermarktung ab. Vertikal integriert heißt: Entwicklung, Herstellung und Vertrieb liegen in einer Hand.
Welche Produkte, Standorte oder Umsatzbeiträge hinter der Transaktion stehen, nennt die Mitteilung nicht. Auch ein Bewertungsmultiplikat lässt sich daraus nicht ableiten, solange die Höhe der bedingten Zahlung und die künftige Entwicklung offen sind. Aus den genannten Zahlen ergibt sich lediglich, dass der Höchstpreis von 750 Millionen Euro für 45 Prozent einer Gesamtbewertung von rechnerisch gut 1,6 Milliarden Euro entspräche.
Einordnung
Fresenius zieht die Kontrolle über den Biosimilar-Zweig ein, statt sie mit Insud und Invim zu teilen. Das erleichtert Investitionsentscheidungen und den Zugriff auf die Erträge, bindet aber auch Kapital in einem Segment, in dem der Preisdruck hoch ist. Ob sich der Preis rechnet, hängt wesentlich davon ab, ob die an die Zulassung der Produktionsstätten gekoppelten Kapazitäten tatsächlich in den Markt kommen.











