Transplantierte Herzen könnten sich dem biologischen Alter ihres Empfängers annähern: Organe jüngerer Spender altern in älteren Empfängern, ältere Spenderherzen durchlaufen in jüngeren Menschen eine Art Verjüngung. Das legen Experimente an Mäusen und klinische Biopsien in einer Studie nahe, die als Preprint bei bioRxiv erschienen ist. Ein Peer-Review steht noch aus. (Zusammenfassung aus dem Deutschen und Englischen.)
Vorgehen und Ergebnisse
Nach Angaben zur Studie, die an der Harvard Medical School entstand und von Vadim Gladyshev geleitet wird, verpflanzten die Forschenden Herzen zwischen jungen, mittelalten und alten Mäusen eines Standardstamms. Die eigenen Herzen der Tiere blieben im Körper. Nach vier bis sechs Monaten bestimmten sie das biologische Alter von Transplantat, eigenem Herz, Leber und Blut mit drei epigenetischen Uhren. Das sind Messverfahren, die aus Methylierungsmustern der DNA ein biologisches Alter schätzen.
Junge Herzen in alten Mäusen zeigten ältere Methylierungsmuster, alte Herzen in jungen Tieren wirkten molekular jünger. Auch die Genaktivität verschob sich in Richtung Alterungs- beziehungsweise Langlebigkeitssignaturen; mitochondriale Genprogramme waren in jungen Transplantaten älterer Empfänger gedämpft, im umgekehrten Fall verstärkt. Die eigenen Organe der Empfänger zeigten keine einheitlichen Altersveränderungen.
Beim Menschen werteten die Autoren archivierte Herzmuskelbiopsien von elf Transplantierten aus, aus einer Kohorte von 407 Transplantationen zwischen 2002 und 2022. Zwei von drei Methylierungsuhren zeigten signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen, in denen ältere auf jüngere Empfänger trafen und umgekehrt. Eine Analyse von Krankenakten ergab zudem, dass das Alter des Empfängers die spätere Herzfunktion beeinflusst.
Grenzen der Aussage
Mit elf Biopsien ist die Humanstichprobe klein. Medikamente, Bewegung und andere Faktoren können die Ergebnisse verzerren, Langzeitfolgen sind unklar. Ob sich daraus ein anderes Vorgehen bei der Zuteilung von Organen ableiten lässt, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor.
Einordnung
Sollte sich der Befund bestätigen, wäre das Alter des Spenders weniger starr als Auswahlkriterium zu betrachten, als es bislang der Fall ist. Für Transplantationszentren und Hersteller von Diagnostik wäre vor allem die epigenetische Altersmessung am Organ ein mögliches Anwendungsfeld. Bis zur Begutachtung und einer größeren Kohorte bleibt das eine Hypothese, kein Entscheidungsinstrument.











