Politik & Markt

Pflegelöhne steigen 2026 um 3,4 Prozent auf 24,50 Euro pro Stunde

Der GKV-Spitzenverband warnt vor weiter steigenden Eigenanteilen und fordert, dass die Pflegereform rasch Lösungen liefert.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 1. Oktober 2026

Die durchschnittlichen Stundenlöhne in der Pflege sind in Deutschland 2026 um 3,4 Prozent auf 24,50 Euro gestiegen. Das geht aus Berechnungen des GKV-Spitzenverbands hervor, die am 1. Oktober veröffentlicht wurden. Der Verband verlangt eine rasche Umsetzung von Reformen, damit die von den Pflegebedürftigen zu zahlenden Eigenanteile nicht weiter steigen.

Die Zahlen

Der Zuwachs liegt unter den Werten der Vorjahre: 2025 waren die Pflegelöhne im Schnitt um 4,9 Prozent gestiegen, 2024 um rund 8,8 Prozent. Regional gibt es große Unterschiede. Im Saarland und in Rheinland-Pfalz lag der Anstieg bei 2,7 und 2,8 Prozent, in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern bei etwa fünf Prozent.

Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands, erinnerte daran, dass höhere Löhne sich „stets unmittelbar auf die Eigenanteile der Pflegebedürftigen“ auswirken, die „seit Jahren ungebremst“ stiegen. Die Politik müsse aufzeigen, wie auch künftig angemessen steigende Löhne gesichert werden könnten, ohne die Pflegebedürftigen weiter so stark zu belasten. Eigenanteile sind der Teil der Pflegekosten, den Betroffene selbst tragen, weil die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten übernimmt.

Die Reform ist nur zur Hälfte da

Einen Tag zuvor hatte das Bundeskabinett eine erste Stufe der Pflegereform auf den Weg gebracht. Sie soll kurzfristig die akute Unterfinanzierung der Pflegekassen lindern. Die tiefer greifende Strukturreform, die das System über Jahre stabilisieren soll, wurde auf das kommende Jahr verschoben. Die Regierung will zunächst die Empfehlungen einer Expertenkommission abwarten, die das Kabinett in der kommenden Woche einsetzen soll.

Einordnung

Die Lohnentwicklung erzeugt Druck auf ein System, dessen Finanzierung bislang ungelöst ist. Für Träger und Betreiber heißt das: Personalkosten steigen weiter, die Zahlungsbereitschaft der Pflegebedürftigen ist begrenzt. Das könnte den Bedarf an Produkten erhöhen, die Dokumentations- und Verwaltungsaufwand senken; ob die kommende Reform dafür Anreize setzt, ist offen, denn die Strukturentscheidungen fallen erst 2027.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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