Forschung

Speiseröhrenkrebs: Sehr heiße Getränke verdreifachen Risiko für eine Krebsform

Eine Auswertung zweier britischer Kohorten mit rund 977.000 Erwachsenen bestätigt für Europa, was aus Asien und Südamerika bekannt ist.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 1. Oktober 2026

Menschen, die Kaffee oder Tee sehr heiß trinken, erkranken häufiger an einem Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Das zeigt eine Analyse von zwei Kohortenstudien im „International Journal of Cancer“. Sie bestätigt, dass ein aus Asien und Südamerika bekanntes Risiko auch für europäische Trinkgewohnheiten gilt. (Zusammenfassung, aus dem Englischen übersetzt.)

Die Zahlen

Das Team um die Oxforder Forscherin Keren Papier wertete Daten der UK Biobank und der Million Women Study aus, zusammen 977.282 Teilnehmende in Großbritannien. Sie wurden im Mittel gut elf Jahre (UK Biobank) beziehungsweise gut 14 Jahre (Million Women Study) beobachtet. Wer seine Getränke „sehr heiß“ trank, hatte im Vergleich zu Warmtrinkern ein relatives Risiko von 3,17 für ein Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre (95-Prozent-Konfidenzintervall 2,49 bis 4,03). Für das Adenokarzinom, die zweite häufige Form, ergab sich kein signifikanter Zusammenhang (relatives Risiko 0,92).

Unabhängig von der Temperatur war auch die Menge relevant: Sechs oder mehr heiße Getränke pro Tag gingen mit einem relativen Risiko von 1,71 für das Plattenepithelkarzinom einher. Nach Berechnung der Autoren könnten etwa 14 Prozent dieser Tumoren in der britischen Bevölkerung vermieden werden, wenn aus „sehr heiß“ „heiß“ würde.

Sehr heiße Getränke können die Schleimhaut in Mund und Speiseröhre schädigen; geschieht das häufiger, kann sich daraus ein Tumor entwickeln. Aufgefallen war der Zusammenhang zuerst in Südamerika, wo Mate-Tee verbreitet ist.

Grenzen

Temperatur und Häufigkeit des Trinkens beruhen auf Selbstauskunft, was die Genauigkeit einschränken kann. Als Kohortenstudie belegt die Analyse einen Zusammenhang, keinen Kausalbeweis.

Einordnung

Der Befund ist eine Präventionsbotschaft, kein Marktsignal. Für Health-Tech ist er vor allem als Beispiel interessant: Große Kohorten wie die UK Biobank liefern die Datenbasis für solche Risikoanalysen, während Selbstauskünfte zu Gewohnheiten die Aussagekraft begrenzen. Für die Versorgung gilt: Ein relatives Risiko ist keine absolute Erkrankungswahrscheinlichkeit; entscheidend bleibt, dass das Plattenepithelkarzinom insgesamt selten ist und das Risiko durch einfaches Abkühlenlassen der Getränke gesenkt werden könnte.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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