In Shanghais Stadtteil „Science City“ haben chinesische Biotech-Manager auf einer Investorenkonferenz ihr Land als schnelleren, günstigeren und effizienteren Standort für Wirkstoffentwicklung als die USA dargestellt, von Europa gar nicht zu reden. Zhui Chen, Mitgründer des heute mit sechs Milliarden US-Dollar bewerteten Shanghaier Unternehmens Abbisko, berichtete von einer Studie zu einem an die deutsche Merck KGaA lizenzierten Wirkstoff, die in nur elf Monaten abgeschlossen war. Merck-Manager hätten daraufhin gefragt, ob Abbisko ihre Mitarbeiter schulen könne. (Aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst; der Bericht ist hinter einer Bezahlschranke, weitere Details lagen nicht vor.)
Der Wirkstoff und der Deal
Gemeint ist offenbar Pimicotinib, ein Hemmer des CSF-1-Rezeptors gegen tenosynoviale Riesenzelltumoren, eine seltene Tumorart. Merck KGaA hatte 2023 für 70 Millionen Dollar die Rechte für Großchina erworben und übte 2025 eine Option auf weltweite Vermarktungsrechte gegen 85 Millionen Dollar aus. Das Gesamtvolumen mit Meilensteinen und Lizenzgebühren liegt bei bis zu 605,5 Millionen Dollar. In der Phase-3-Studie sprachen nach 25 Wochen 54 Prozent der Patienten auf den Wirkstoff an, im Placebo-Arm waren es 3,2 Prozent.
Das Muster dahinter
Abbisko ist kein Einzelfall. Nach einer Reuters-Analyse stieg das Volumen von Lizenzgeschäften aus der Region Großchina 2025 auf 137,7 Milliarden Dollar, fast das Zehnfache von 2021. Die durchschnittliche Dealgröße lag 2026 zuletzt bei 1,3 Milliarden Dollar, die durchschnittliche Vorauszahlung bei 77,7 Millionen Dollar nach 38,8 Millionen im Vorjahr. Zu den Großdeals zählen AstraZenecas Gewichtsverlust-Abkommen mit CSPC über bis zu 18,5 Milliarden Dollar und AbbVies Tumorvertrag mit RemeGen über bis zu 5,6 Milliarden. Bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten entfällt fast 90 Prozent der weltweiten Lizenzaktivität auf China. Analysten rechnen für 2026 mit einem weiteren Zuwachs der Dealwerte um 40 bis 50 Prozent.
Einordnung
Der Selbstdarstellung der Manager steht Beleg gegenüber: Kapital, Tempo und klinische Daten treffen zusammen, und Konzerne wie Merck lizenzieren bereits in großem Stil ein. Für europäische Biotechs bedeutet das härteren Wettbewerb um Partner und Mittel, für Pharmakonzerne eine günstigere Quelle für Pipeline-Nachschub. Wie belastbar die Geschwindigkeitsvorteile sind, hängt von Datenqualität, Zulassungen im Westen und der Politik zwischen Washington und Peking ab, zu der der vorliegende Auszug nichts sagt.











