Startups

MPIRIQ verbindet Arztpraxen mit klinischer Forschung, 3 Millionen Euro im Rücken

Das Münchner Startup strukturiert Praxisdaten per KI, automatisiert Dokumentation und sucht passende Patienten für Studien.

By Christian KloewerPosted 5. Dezember 2025

Das Münchner Startup MPIRIQ will Arztpraxen und Kliniken die Teilnahme an klinischen Studien erleichtern. Die Investoren Speedinvest aus Wien und HV Capital aus München haben bereits im Sommer 2024 zusammen 3 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt und halten derzeit jeweils rund 16 Prozent der Anteile. Gegründet wurde MPIRIQ im Frühjahr 2024 von Florian Schröder und Markus Haug.

Die Ausgangsidee: Wertvolle Patientendaten in ambulanten Praxen bleiben für die Forschung unzugänglich, während klinische Studien sich auf große Kliniken konzentrieren, in denen viele Patienten gar nicht behandelt werden. MPIRIQ setzt dort an, wo der ärztliche Alltag stattfindet. „Wir strukturieren Daten, automatisieren Dokumentationen und geben Ärzten die Möglichkeit, Erkenntnisse für die Forschung zu gewinnen“, teilt das Team mit.

Die Software besteht nach Angaben des Unternehmens aus mehreren Modulen. Ein Patient Navigator bündelt Versorgungsdaten, ein Document Assistant erzeugt Arztbriefe und Berichte, ein Trial Navigator gleicht strukturierte Routinedaten laufend mit aktiven Studien ab und schlägt geeignete Patienten zur ärztlichen Prüfung vor. Dazu kommen ein Assistent für Krebsregistermeldungen, ein Care Assistant für Kodierung und Abrechnung sowie ein Workflow zur ärztlichen Freigabe. Die Teilnahme an Studien soll vergütet werden und durch bereits strukturierte Daten kaum Mehraufwand bedeuten. Das Unternehmen betont, dass Daten bereits an der Quelle pseudonymisiert werden, die DSGVO eingehalten wird und die Schlüssel ausschließlich bei der Praxis liegen.

Das Geschäftsmodell lässt sich als zweiseitig beschreiben: Praxen sparen Dokumentationszeit und erhalten Zusatzeinnahmen aus Studien, Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen gewinnen Zugang zu Patienten und Daten außerhalb der Universitätsmedizin. Angaben zu Kundenzahlen, Umsätzen oder weiteren Finanzierungen macht das Startup nicht öffentlich.

Einordnung

Der Ansatz greift ein reales Engpassproblem auf: Die Rekrutierung ist bei vielen Studien der zeitkritischste Schritt. Ob Praxen die Software tatsächlich nutzen, entscheidet sich an der Integration in bestehende Praxisverwaltungssysteme und am Vertrauen in den Datenschutz. Mit 3 Millionen Euro Kapital und einem Team in der Frühphase bleibt das Risiko beträchtlich, für Investoren ist es eine Wette auf die Dokumentation als Einstieg in die Forschungsdaten.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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