Eine verschreibungspflichtige Smartphone-Therapie kann Negativsymptome bei Erwachsenen mit Schizophrenie zusätzlich zur antipsychotischen Behandlung verringern. In einer randomisierten Phase-3-Studie schnitt Motivista, zuvor CT-155 genannt, nach 16 Wochen besser ab als eine digitale Kontrollintervention; der Unterschied entsprach einem kleinen bis moderaten Effekt.
Negativsymptome sind nicht Halluzinationen oder Wahn, sondern etwa verminderter Antrieb, fehlende Freude und sozialer Rückzug. Sie beeinträchtigen Alltag, Beziehungen und Arbeitsfähigkeit häufig auch dann, wenn sogenannte Positivsymptome medikamentös stabil sind.
Die CONVOKE-Studie umfasste 457 Erwachsene an 66 Standorten in den USA. 227 erhielten Motivista, 230 die Kontroll-App. Alle nahmen bis zu zwei Antipsychotika ein. Auf der klinischen Skala CAINS-MAP, die Motivation und Freude erfasst, verbesserte sich der Wert in der Motivista-Gruppe im Mittel um 6,8 Punkte, in der Kontrollgruppe um 4,2 Punkte. Die bereinigte Differenz betrug 2,6 Punkte; die Effektstärke lag bei 0,36.
Die App bietet über 16 Wochen Elemente etablierter psychosozialer Verfahren, darunter Verhaltensaktivierung, kognitive Umstrukturierung, Training sozialer Fähigkeiten und adaptive Zielsetzung. Rund 70 Prozent der Teilnehmenden in der Behandlungsgruppe blieben bis zum Ende der 15. Woche aktiv. Positive Symptome verschlechterten sich gegenüber der Kontrollgruppe nicht. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten bei 1,3 Prozent unter Motivista und 2,2 Prozent unter der Kontrollintervention auf; keines wurde der Behandlung zugerechnet.
Entwickelt wurde die Therapie von Click Therapeutics in Zusammenarbeit mit Boehringer Ingelheim. Die US-Arzneimittel- und Medizinproduktebehörde FDA erteilte im Juli 2026 eine 510(k)-Freigabe. Zugelassen ist Motivista dort für Erwachsene mit klinisch stabilen Positivsymptomen als Ergänzung zur ärztlich geführten ambulanten Versorgung einschließlich antipsychotischer Therapie. Eine breitere Markteinführung wird vorbereitet. Angaben zu Preis, Kostenerstattung oder Verfügbarkeit in Deutschland liegen nicht vor.
Die Aussagekraft ist begrenzt: Teilnehmen konnten nur Menschen mit stabiler Medikation, stabilem Wohnumfeld, eigenem Smartphone und regelmäßigem Internetzugang. Neu diagnostizierte Personen, Menschen mit milderen Negativsymptomen sowie Teilnehmende mit aktueller Psychotherapie waren ausgeschlossen. Die Studie wurde von den Herstellerunternehmen finanziert; mehrere Autorinnen und Autoren arbeiteten für die beteiligten Firmen. Daten aus der Routineversorgung bleiben deshalb wichtig.
Einordnung
Motivista zeigt, dass digitale Therapeutika auch bei schweren psychischen Erkrankungen einen messbaren Zusatznutzen erreichen können. Für die Versorgung entscheidet jedoch nicht nur die Zulassung: Zugang zu Geräten und Internet, Vergütung, ärztliche Einbindung und Wirksamkeit unter Alltagsbedingungen bestimmen, ob aus dem Studienergebnis ein skalierbares Angebot wird.











