Je länger Menschen mit akuter Appendizitis bis zur chirurgischen Beurteilung warten, desto häufiger ist der Wurmfortsatz bereits perforiert. In der bisher größten prospektiven globalen Studie stieg die Perforationsrate von rund 23 Prozent bei einer Beurteilung innerhalb von zwölf Stunden auf 48 Prozent nach mehr als 72 Stunden.
Die Appendicitis Global Outcomes Study erfasste 45.218 Patientinnen und Patienten aus 1.377 Krankenhäusern in 112 Ländern. Das Medianalter lag bei 27 Jahren, 44,2 Prozent der Teilnehmenden waren weiblich. Eingeschlossen wurden Menschen, die wegen vermuteter oder bestätigter akuter Appendizitis operiert wurden.
Die Forschenden unterschieden zwei Zeiträume: die Zeit vom Beginn der Beschwerden bis zur ersten chirurgischen Untersuchung und die anschließende Wartezeit im Krankenhaus bis zur Operation. Mit zunehmender Verzögerung vor der Untersuchung nahm das Risiko einer Perforation schrittweise zu. Kurze innerklinische Verzögerungen waren dagegen nicht mit einem höheren Perforationsrisiko verbunden.
Für Versorgungssysteme liegt der wichtigste Hebel damit vor dem Operationssaal. Die Studiengruppe nennt eine chirurgische Beurteilung innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn als Ziel. Dafür müssen Warnzeichen früh erkannt, Überweisungswege funktionieren und chirurgische Kapazitäten erreichbar sein. Eine Perforation kann Infektionen, längere Krankenhausaufenthalte und komplexere Behandlungen nach sich ziehen.
Die Untersuchung macht zugleich große Unterschiede bei Diagnostik und Behandlung sichtbar. In Ländern mit hohem Einkommen erhielten 58,6 Prozent der Betroffenen eine Computertomografie; in Ländern mit niedrigem Einkommen waren es 5,6 Prozent. Minimalinvasive Eingriffe wurden in den beiden Ländergruppen bei 95,8 beziehungsweise 7,3 Prozent der Fälle eingesetzt.
Die Ergebnisse sollten dennoch nicht als Beweis verstanden werden, dass jede beobachtete Verzögerung die Perforation verursacht. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Zudem umfasst die Kohorte operierte Personen und bildet konservativ, etwa ausschließlich mit Antibiotika, behandelte Fälle nicht vollständig ab. Schwere Verläufe könnten außerdem früher oder anders in die Versorgung gelangen als unkomplizierte Fälle.
Einordnung
Die Daten sprechen weniger für pauschal schnellere Operationen als für einen verlässlichen, frühen Zugang zur chirurgischen Beurteilung. Für Kliniksteuerung und Gesundheitspolitik bedeutet das: Notfallpfade, Bildgebung und Überweisungskapazitäten sind messbare Versorgungsfaktoren – und international höchst ungleich verteilt.











