Molina Healthcare sieht erste Anzeichen für eine Erholung seines Medicaid-Geschäfts im Jahr 2027. Stabilere medizinische Kosten und höhere staatliche Vergütungssätze sollen die Margen stützen. Der Ausblick bleibt dennoch vorsichtig: Im dritten Quartal 2026 sank der Nettogewinn um 52 Prozent, während anstehende Arbeits- und Nachweispflichten Mitgliederverluste auslösen dürften.
Der US-Krankenversicherer erzielte im Quartal 11,08 Milliarden Dollar Umsatz, nach 11,48 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Prämieneinnahmen gingen um vier Prozent auf 10,46 Milliarden Dollar zurück. Grund waren weniger Versicherte in Medicaid und auf den Versicherungsmärkten des Affordable Care Act; höhere Vergütungssätze glichen den Rückgang nur teilweise aus. Der Nettogewinn fiel von 79 auf 38 Millionen Dollar. Bereinigt verdiente Molina 46 Millionen Dollar beziehungsweise 0,89 Dollar je Aktie.
Zum 30. September betreute das Unternehmen rund 4,9 Millionen Mitglieder, davon etwa 4,4 Millionen in Medicaid-Tarifen. Die Medical Care Ratio, also der Anteil der Prämieneinnahmen, der für medizinische Leistungen aufgewendet wird, lag konzernweit bei 92,9 Prozent. Im Medicaid-Segment waren es 93 Prozent. Die Quote entsprach der Planung, weil Tarifanpassungen den leichten Anstieg der Behandlungskosten weitgehend auffingen.
Für 2027 rechnet das Management bei Medicaid mit einem medizinischen Kostentrend von 5,5 bis sechs Prozent. Die bislang vorliegenden Vergütungsentwürfe der Bundesstaaten lassen aus Unternehmenssicht erwarten, dass die Tariferhöhungen diesen Anstieg mindestens abdecken. Einige Staaten zeigen sich zudem offen für Anpassungen während des laufenden Jahres. Molina stellt deshalb eine weitgehend stabile Medicaid-Kostenquote in Aussicht. Das ist eine Prognose und keine gesicherte Margenverbesserung.
Zusätzliche Unsicherheit bringen die ab Januar 2027 geltenden Arbeitsauflagen und halbjährlichen Berechtigungsprüfungen. Molina erwartet einen schrittweisen Rückgang der Mitgliederzahl, der sich wegen automatisierter Prüfungen, flexibler Härtefallregeln und vorläufiger Selbstauskünfte teilweise bis 2028 verzögern könnte. Wenn vor allem gesündere Mitglieder ausscheiden, steigt zugleich die durchschnittliche Morbidität des verbleibenden Bestands. Das Unternehmen hält diesen Effekt derzeit für begrenzt.
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigt Molina seine Prognose von rund 42 Milliarden Dollar Prämieneinnahmen und mindestens 5,25 Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie. Belastungen entstehen unter anderem durch den Start eines neuen Medicaid-Vertrags in Florida und das traditionelle Medicare-Advantage-Geschäft mit Arzneimittelkomponente, aus dem Molina 2027 aussteigen will.
Einordnung
Die erwartete Entspannung beruht vor allem auf staatlicher Preisgestaltung, nicht auf einem deutlichen Rückgang der Versorgungskosten. Für den Medicaid-Markt wird 2027 damit zum Belastungstest: Vergütungssätze, Mitgliederstruktur und administrative Umsetzung müssen gleichzeitig stimmen, damit aus stabileren Kosten tatsächlich profitables Wachstum wird.











