Das italienische Health-Tech Qura bietet ein zwölfmonatiges Präventionsprogramm aus Labordiagnostik, ärztlicher Begleitung, App und KI-Auswertung an. Mehr als 80 Blut- und Urinparameter sollen in einen individuellen Maßnahmenplan einfließen. Das 2025 gegründete Start-up hat dafür 1,5 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital aufgenommen.
Zu Beginn füllen Mitglieder einen Fragebogen zu Gesundheit, Zielen und Lebensstil aus. Es folgen ein umfangreicher Labortest, ein 45-minütiges Onlinegespräch und ein persönlicher Plan zu Ernährung, Schlaf, Bewegung, Stress und gegebenenfalls Nahrungsergänzung. Derselbe Arzt begleitet den Nutzer laut Unternehmen ein Jahr lang per Chat sowie mit Gesprächen nach sechs und zwölf Monaten.
Die App bündelt Laborwerte, Krankengeschichte und auf Wunsch Daten aus Wearables. Ein KI-Assistent soll Zusammenhänge erklären und Fragen zu den persönlichen Daten beantworten. Medizinische Analysen würden von approbierten Ärzten geprüft, erklärt Qura. Zum Team gehören unter anderem Fachärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Neurologie, Ernährungsmedizin und Prävention.
614 Euro für Mitgliedschaft und ersten Labortest
Die Jahresmitgliedschaft kostet 365 Euro. Für die anfängliche Blut- und Urinuntersuchung fallen weitere 249 Euro beim Partnerlabor an; zusammen sind das 614 Euro. Enthalten sind mehr als 80 Parameter, der persönliche Arzt, der Maßnahmenplan, Chat, Verlaufskontrolle und KI-Coach. Wer aktuelle Laborbefunde besitzt oder kein Partnerlabor in der Nähe hat, kann Qura Base für 149 Euro pro Jahr nutzen. Das Angebot ist derzeit auf Italien ausgerichtet.
Gegründet wurde Qura von Virginia Gambardella und Gioacchino Grand. Gambardella arbeitete zuvor unter anderem beim italienischen Online-Psychotherapieanbieter Serenis; Grand verantwortet die Technologie. Im März 2026 führte United Ventures die Pre-Seed-Runde über 1,5 Millionen Euro an. Vento, Italian Angels for Growth und weitere Business Angels beteiligten sich.
Das Modell schließt eine reale Lücke: Viele Menschen erhalten Laborberichte ohne kontinuierliche Einordnung, während Hausarzttermine knapp sind. Die Verbindung aus Diagnostik und längerfristigem Ansprechpartner kann deshalb nützlicher sein als eine reine Test-App.
Die Breite des Panels ist zugleich der kritische Punkt. Bei mehr als 80 Messwerten steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch bei gesunden Menschen mindestens ein Wert außerhalb des Referenzbereichs liegt. Qura meldet selbst, dass dies bei 99 Prozent seiner Mitglieder der Fall sei. Daraus folgt nicht automatisch eine behandlungsbedürftige Erkrankung. Entscheidend sind risikobasierte Testauswahl, klinische Einordnung und der Nachweis, dass Interventionen relevante Gesundheitsresultate verbessern.
Gesundheitsdaten verarbeitet Qura nach eigenen Angaben DSGVO-konform auf verschlüsselten Servern; zugreifen dürfe nur autorisiertes medizinisches Personal. Für die KI bleibt die genaue Zweckbestimmung wichtig: Software mit medizinischem Verwendungszweck kann in der EU strengeren Anforderungen an Risikomanagement, Datenqualität, Transparenz und menschliche Aufsicht unterliegen.
Einordnung: Qura kombiniert einen klaren Preis, ärztliche Verantwortung und ein hybrides Versorgungsmodell überzeugender als viele reine Wellness-Apps. Ob daraus mehr als ein privat finanziertes Check-up-Angebot wird, hängt von klinischer Evidenz, verantwortungsvollem Umgang mit Zufallsbefunden und belastbaren Ergebnissen im Langzeitverlauf ab.











