Big-Wave-Surfer und Weltrekordhalter Sebastian Steudtner investiert einen nicht genannten Betrag in die Münchner Regulate GmbH. Zugleich wird er Teil des Produkts: Für die App steuert der Athlet eigene geführte Atemeinheiten bei. Das 2024 gegründete Start-up gewinnt damit einen prominenten Investor, Content-Partner und möglichen Türöffner für neue Nutzergruppen.
Regulate wurde von Peter van Woerkum und Paul Lechlin gegründet. Die App bietet mehr als 70 angeleitete Einheiten, die meist drei bis fünf Minuten dauern. Nutzer sollen je nach Situation Ruhe, Fokus, Energie oder Schlafbereitschaft fördern können. Optional lassen sich Wearables anbinden, um Veränderungen der Herzfrequenz während einer Übung sichtbar zu machen.
Vor Steudtners Einstieg hatte das Unternehmen 1,4 Millionen Euro Seed-Kapital eingesammelt. Zu den Geldgebern gehören der niederländische Impact-Investor 4impact Capital und mehrere Business Angels aus der deutschen Start-up-Szene. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 7.000 Berufstätige das Angebot.
Vom App-Abo zum Firmenprogramm
Neben der App setzt Regulate auf ein B2B-Modell. Unternehmen können zweistündige Workshops, zweiwöchige Pilotprogramme für kleine Gruppen sowie Rollouts für bis zu 500 Beschäftigte buchen. Zum Angebot gehören Onboarding, Coaching, ein Administrationsbereich und regelmäßige Berichte. Damit positioniert sich Regulate zwischen Corporate Wellbeing, HR-Tech und digitaler Gesundheitsprävention.
Steudtners Rolle geht über die Finanzierung hinaus. Seine Sessions übertragen Atemroutinen aus der Vorbereitung auf extreme sportliche Belastungen in einen alltagstauglichen Kontext. Für Regulate ist das zugleich eine glaubwürdige Performance-Erzählung. Entscheidend bleibt jedoch, ob der Transfer vom Spitzensport in den Büroalltag für Nutzer einen messbaren Mehrwert liefert.
Die bisher veröffentlichten Wirksamkeitsdaten stammen überwiegend vom Unternehmen selbst. In einer Untersuchung mit 54 Nutzern und 317 Vorher-Nachher-Messungen meldet Regulate weniger Stress sowie mehr Fokus und Handlungsbereitschaft. Eine weitere Befragung umfasst 100 Nutzer. Solche kleinen, nicht unabhängig replizierten Datensätze liefern erste Hinweise, ersetzen aber keine kontrollierte klinische Studie.
Die breitere Forschung zu angeleiteten Atemübungen ist vorsichtig positiv: Eine Metaanalyse randomisierter Studien fand kleine bis mittlere Effekte auf subjektiv empfundenen Stress, Angst und depressive Symptome. Die Autoren mahnten wegen heterogener Methoden und möglicher Verzerrungen zur Zurückhaltung. Daraus lässt sich kein Wirksamkeitsnachweis für ein einzelnes Produkt ableiten.
Einordnung: Regulate trifft auf eine wachsende Nachfrage nach niedrigschwelligen Angeboten für Stressmanagement am Arbeitsplatz. Der prominente Einstieg erhöht Reichweite und Markenprofil; für nachhaltiges Wachstum werden jedoch belastbare Nutzungsdaten, Datenschutz im Firmenkontext und eine klare Abgrenzung zwischen Wellness-Angebot und medizinischer Behandlung entscheidend sein.











