Seit dem 1. Oktober 2026 verlieren in den USA zahlreiche legal anwesende Einwanderinnen und Einwanderer ihren Anspruch auf Medicaid oder das Kinderprogramm CHIP. Betroffen sind unter anderem Flüchtlinge, Asylberechtigte ohne Green Card und Opfer von Menschenhandel. Die Änderung ist Teil des 2025 verabschiedeten Haushalts- und Steuergesetzes Public Law 119-21.
Medicaid wird gemeinsam von Bund und Bundesstaaten finanziert und versichert vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen oder Behinderungen. Die neuen Regeln begrenzen die bundesfinanzierte Absicherung im Wesentlichen auf Inhaber einer Green Card, bestimmte kubanische und haitianische Einwanderer sowie Menschen aus Staaten mit einem Compact of Free Association. Kinder und Schwangere können in Bundesstaaten mit einer entsprechenden Option weiter anspruchsberechtigt sein.
Aus dem Leistungskatalog fallen damit Gruppen, die zuvor aufgrund eines anerkannten Schutzstatus versichert werden konnten. Dazu zählen neben Flüchtlingen und Asylberechtigten auch Inhaber bestimmter humanitärer Visa sowie afghanische Dolmetscher, die US-Streitkräfte unterstützt hatten. Ein legaler Aufenthalt allein reicht nicht mehr aus.
Die Größenordnung dürfte über frühen Schätzungen liegen. Für 2034 war mit rund 100.000 zusätzlichen Nichtversicherten infolge dieser Medicaid-Regel gerechnet worden. Eine Abfrage bei neun Bundesstaaten und dem District of Columbia ergab jedoch bereits mehr als 281.000 Menschen, deren Schutz im Oktober gefährdet war. Florida meldete knapp 177.000 Fälle, Arizona fast 28.000, North Carolina rund 29.000 und der Bundesstaat Washington etwa 11.000. New Jersey rechnete mit 15.000 bis 25.000 Betroffenen.
Die endgültige Zahl hängt auch von Prüfverfahren ab. Behörden gleichen den Aufenthaltsstatus mit staatlichen Datenbanken ab und fordern teils zusätzliche Nachweise an. Dadurch können auch weiterhin Berechtigte ihren Schutz verlieren, wenn Bescheide unverständlich sind oder Dokumente nicht rechtzeitig vorliegen.
Eine flächendeckende Alternative gibt es nicht. Emergency Medicaid bleibt für akute Behandlungen verfügbar, ersetzt aber keine reguläre Versorgung bei chronischen Erkrankungen oder Vorsorge. Ab 2027 werden zudem Zuschüsse für Versicherungspläne über die ACA-Marktplätze für weitere Aufenthaltsgruppen eingeschränkt. Damit kann ein Wechsel in private Deckung gerade für einkommensarme Haushalte scheitern.
Einordnung: Die Reform verlagert Kosten und Versorgungsrisiken von der Bundesebene auf Bundesstaaten, Kliniken und Betroffene. Für Krankenhäuser dürfte der Anteil unbezahlter Behandlungen steigen, während frühe Schätzungen die kurzfristige Zahl der Deckungsverluste offenbar unterschätzen.











