Seit 2014 haben mehr als 1.300 Gründerinnen und Gründer in „Die Höhle der Löwen“ auf Vox ihre Startups vorgestellt. In der aktuellen 20. Staffel sehen nach Senderangaben bis zu 1,5 Millionen Menschen pro Woche zu. Dennoch kommt nicht jede Zusage aus dem Studio zum Abschluss, und die Investoren Janna Ensthaler und Frank Thelen nennen dafür nachvollziehbare Gründe.
Ensthaler beschreibt den Deal vor der Kamera als „Startschuss für die eigentliche Due Diligence“. Gemeint ist die Detailprüfung, bei der Investoren und ihre Teams Zahlen, Produkt, Markt, Verträge, Patente, Lieferketten und das Team untersuchen. Mal bestätige sich dabei die Investmentthese aus der Show, mal nicht. Sie räumt ein, dass es Deals gab, die sie nach der Sendung gern gemacht hätte und die aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande kamen.
Ein zweiter Grund liegt in den Erwartungen. Thelen verweist darauf, dass den Investoren in der Sendung nur 30 bis 60 Minuten bleiben, um Startup und Team kennenzulernen. Danach entwickle sich ein Unternehmen mitunter in eine neue Richtung. Strittig sei häufig, wie schnell das Unternehmen wachsen soll, welche Rolle der Investor übernimmt und ob zunächst Deutschland oder gleich der internationale Markt im Fokus steht. Thelen will nach eigener Aussage gestalten und verstehen, ob Gründer seine Ambitionen teilen; manche Teams wollten diese Intensität nicht. Das sei legitim, besser sei eine faire Trennung als eine Partnerschaft, die von Beginn an knirsche.
Ein Scheitern will Thelen darin nicht sehen: Es sei unternehmerische Sorgfalt auf beiden Seiten, und dass ein Deal nach eingehender Prüfung nicht zustande komme, gehöre bei echtem Geld und echter Verantwortung dazu.
Heikler ist die Reichweite. Nur in seltenen Fällen suchten Gründer vor allem die Aufmerksamkeit der Sendung, sagen beide Investoren. Für Thelen ist das ein Ausschlusskriterium: „Wenn ich das spüre, bin ich raus.“ Ensthaler hält es für naiv zu glauben, dass die Reichweite keine Rolle spiele, erlebt aber die große Mehrheit als ernsthaft an Investment und Zusammenarbeit interessiert. Dass Gründer die Sichtbarkeit nutzen, hält sie für legitim.
Einordnung: Für Gründerinnen und Gründer, auch im Health-Tech-Bereich, ist die Zusage im Studio eine Absichtserklärung und kein Abschluss. Wer nach der Sendung bestehen will, braucht belastbare Zahlen und eine abgestimmte Vorstellung mit dem Investor über Tempo, Rolle und Markt. Die Show bietet Sichtbarkeit, ersetzt aber die Prüfung nicht.











