Die USA sollten den Biotech-Wettlauf mit China vor allem durch eine stärkere eigene Basis gewinnen, nicht durch pauschale Handelsbeschränkungen. Das fordern der frühere US-Handelsminister und China-Botschafter Gary Locke und der frühere Vorsitzende des Finanzausschusses im Repräsentantenhaus, Patrick McHenry, in einem Meinungsbeitrag, der am 30. September 2026 bei STAT erschien (übersetzt). Beide beraten die American Biosecurity Initiative.
Als Ausgangslage nennen sie Zahlen: Chinesische Wirkstoffe machten 2025 knapp 30 Prozent aller weltweit in Entwicklung befindlichen Arzneimittel aus, vor zehn Jahren waren es weniger als 7 Prozent. China starte jährlich mehr klinische Studien als jedes andere Land und fertige etwa 20 Prozent der Wirkstoffe, die die US-Arzneimittelbehörde FDA als essenziell einstuft. Ein neuer Fünfjahresplan erkläre die Biomedizin zur „Säulenindustrie“. Bis 2030 will China demnach ein Viertel der weltweit ersten Vertreter neuer Wirkstoffklassen („first-in-class“) hervorbringen; die USA erreichten hier derzeit das Siebenfache der chinesischen Rate. Die Branche für innovative Arzneimittel solle um 20 Prozent jährlich wachsen, Zulassungen würden beschleunigt.
Die Autoren warnen vor Gegenmaßnahmen, die dem eigenen Land schaden. Pauschale Zölle auf Wirkstoffe würden Lieferketten stören, lange bevor genug heimische Kapazität bestehe, und Kosten sowie Engpässe erhöhen. Beschränkungen für Partnerschaften und Investitionen mit chinesischen Firmen schnitten US-Unternehmen von aussichtsreichen Prüfpräparaten ab. Exportkontrollen könnten China zudem anspornen, eigene Fähigkeiten aufzubauen; das habe sich bei Halbleitern gezeigt.
Ihr Gegenentwurf hat vier Punkte: die schwächsten Glieder der Lieferkette stärken, also Produktion der wichtigsten Arzneimittel und Wirkstoffe im Inland und bei Verbündeten ausbauen und strategische Reserven halten; Herstellung, Forschung und klinische Entwicklung mit Japan, Südkorea, Europa und Indien abstimmen; Investitionen in neue Fertigungstechnologien erleichtern; und die Forschungsförderung nicht schwächen, die auf stetiger Bundesfinanzierung, gut ausgebildeten Fachkräften und Zuwanderung talentierter Forschender beruhe.
Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag zweier politischer Akteure, nicht um eine Studie. Die genannten Zahlen stammen von den Autoren und werden im Text nicht einzeln belegt.
Einordnung: Für europäische Kliniken, Hersteller und Investoren ist die Debatte relevant, weil Europa in den genannten Allianzen eine Rolle spielt und von einer Verschiebung der Wirkstoffentwicklung nach China betroffen wäre. Wer Lieferketten oder Lizenzpartnerschaften plant, sollte die US-Handelspolitik in den kommenden Monaten beobachten; konkrete Beschlüsse enthält der Beitrag nicht.











