Forschung

Tuberkulose: Resistenz gegen Bedaquilin bedroht die sechsmonatige Therapie

Ein Kommentar in Nature fordert, Überwachung, Genomik und Diagnostik von Beginn an in die Entwicklung neuer TB-Medikamente einzubauen.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. September 2026

Die sechsmonatige Tablettentherapie mit Bedaquilin, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2022 gegen resistente Tuberkulose (TB) empfohlen hat, ist laut einem Kommentar in Nature bereits unter Druck. Es zeigten sich Resistenzen, die die Welt zu längeren, komplexeren und teureren Behandlungen zurückführen könnten. Der Beitrag erschien am 30. September 2026 (übersetzt); der Autor erklärt, keine Interessenkonflikte zu haben.

Zur Ausgangslage: Vor 2022 dauerte die Behandlung resistenter TB bis zu 20 Monate und umfasste Spritzen mit schweren Nebenwirkungen bis hin zu Hörverlust. Die WHO-Empfehlung von 2022 ist nach Darstellung des Kommentars wirksamer, günstiger und schneller umzusetzen. TB bleibt die tödlichste Infektionskrankheit der Welt; 2024 starben daran 1,23 Millionen Menschen.

Das Problem liegt weniger im Mangel an Medikamenten als im Mangel an Wissen. Der Erreger entwickelt sich unter einem neuen Medikament schnell weiter, jede Neueinführung startet daher eine „tickende Uhr“. Wie und warum Resistenz entsteht, sei noch unzureichend verstanden. Ein Regime, das in Studien oder auf Bevölkerungsebene überzeuge, könne scheitern, wenn unklar bleibe, welche Kombinationen, genetischen Veränderungen und Behandlungsbedingungen Resistenz begünstigen. Auf molekularer Ebene sind nach allgemeinem Stand der Forschung vor allem Mutationen im Gen Rv0678 beschrieben, die eine Ausschleusungspumpe des Bakteriums hochregulieren, sowie seltener im Gen atpE.

Es fehlen vor allem Daten. Eingeschränkte Überwachung und wenige Empfindlichkeitstests machten es schwer, die Verbreitung resistenter TB, auch gegen Bedaquilin-Regime, zu beziffern, schreibt der Autor. Ohne diese Zahlen seien Trends kaum zu erkennen. Genomsequenzierung sei ein zentrales Werkzeug, müsse aber auch in Ländern mit hoher Krankheitslast verfügbar sein. Heute gleiche die Behandlung oft einem Stochern im Nebel: Man probiere eine Kombination und warte ab, ob sie wirkt, während sich Resistenz unbemerkt ausbreiten könne.

Die Forderung des Kommentars: Forschung zu neuen TB-Medikamenten soll Überwachung, Genomik, Diagnostik, klinische Daten zu Behandlungsergebnissen und Umsetzungsforschung einschließen, und zwar als Teil der Innovation, nicht danach. Die Erforschung, wie vorhandene Medikamente eingesetzt, überwacht und erhalten werden, verdiene so viel Förderung wie die Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Einordnung: Für Investoren und Entwickler heißt das: Diagnostik, Sequenzierung und Datenplattformen für Resistenz sind kein Beiwerk, sondern Voraussetzung dafür, dass neue Regime Bestand haben. Es handelt sich um einen Meinungsbeitrag; belastbare Zahlen zur Verbreitung der Bedaquilin-Resistenz nennt er gerade nicht, weil sie fehlen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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