Der in Essen entwickelte Drehgriff Kippo muss nach einem geplatzten Fernsehdeal ohne Ralf Dümmel in den Markt starten. Gründer Patrick Waligorski hat nach eigenen Angaben 1.000 Griffe produzieren lassen und verkauft das Doppelset über Amazon. Nun sucht er erneut einen Investor oder einen größeren Vertriebspartner.
Kippo ersetzt die starren Griffe einer Schub- oder Sackkarre. Die mechanisch drehbaren Aufsätze sollen der natürlichen Handbewegung beim Schieben, Heben und Auskippen folgen und dadurch ein starres Umgreifen vermeiden. Waligorski entwickelte den ersten Prototyp aus Teilen seines Schrottplatzes, nachdem er bei der Gartenarbeit Schmerzen im Handgelenk bekommen hatte.
In der Sendung „Die Höhle der Löwen“ bot Waligorski 30 Prozent der Anteile für 50.000 Euro an. Das entsprach einer Bewertung von rund 167.000 Euro nach dem Investment. Sowohl Andreas Herb als auch Ralf Dümmel akzeptierten die Konditionen; Waligorski entschied sich für Dümmel. Rund drei Monate nach der Aufzeichnung kam der Vertrag jedoch nicht zustande. Als Grund nennt der Gründer mangelndes Interesse der angefragten Baumärkte. Eine öffentliche Stellungnahme des Investors liegt nicht vor.
Für Kippo ist das mehr als eine gescheiterte Finanzierungsrunde. Das Produkt ist leicht verständlich und lässt sich an bestehende Geräte nachrüsten, doch gerade der stationäre Handel wäre ein wichtiger Vertriebskanal: Käufer müssen Passform, Griffgefühl und Beweglichkeit vor dem Kauf einschätzen können. Die Herstellerseite nennt bislang weder Maße und geeignete Holmdurchmesser noch Material, Belastungsgrenzen oder Prüfnormen. Das Doppelset wird derzeit für 34,99 Euro angeboten; im Fernseh-Pitch waren 24,99 Euro als Verkaufspreis vorgesehen.
Waligorski hatte vor der Aufzeichnung zunächst 250 Griffe in China fertigen lassen, konnte aber noch keine Verkaufszahlen vorlegen. Ein im August 2025 veröffentlichtes europäisches Design schützt die äußere Gestaltung der Handgriffe. Es ist kein Patentnachweis für das technische Funktionsprinzip.
Aus Gesundheitssicht bleibt die Aussage zur Entlastung vorerst ein plausibles ergonomisches Versprechen, kein belegter medizinischer Nutzen. Öffentlich zugängliche klinische Studien, Vergleichstests oder Angaben zur Einstufung als Medizinprodukt gibt es nicht. Für einen Markteintritt im professionellen Gartenbau oder in körperlich belastenden Berufen wären messbare Daten zu Gelenkwinkeln, Griffkraft, Haltbarkeit und Unfallrisiken wichtiger als der kurze Produkttest im Fernsehstudio.
Einordnung
Kippo zeigt, wie weit ein einfaches Ergonomieprodukt mit wenig Kapital kommen kann – und wo der Engpass beginnt. Entscheidend sind nun nicht weitere Reichweite oder eine prominente Beteiligung, sondern validierte Nachfrage, dokumentierte Produktsicherheit und ein Vertrieb, der die Kompatibilität verständlich macht. Erst dann lässt sich aus einer nachvollziehbaren Erfindung ein belastbares Health-orientiertes Geschäftsmodell entwickeln.











